Blog

Giftköder-Training: Wie zwei Minuten täglich Leben retten können

Diese Übung mache ich regelmäßig, um das Verhalten meiner Hunde im Falle eines Giftköder-Fundes zu festigen.

Natürlich bedarf es anfangs mehr, als nur zwei Minuten Training in regelmäßigen Abständen. Aller Anfang ist schwer. So muss der Hund erst einmal lernen, welches Verhalten zum Erfolg – nämlich zur Belohnung mit dem Köder – führt. Ist dieses dann einmal als das gewünschte Verhalten abgespeichert, kann man folgende Übung (im Video) in seinen Alltag mit einbinden. Am besten wechseln sich Zeit, Ort, Art des Köders und Anzeigehäufigkeit, bis belohnt wird, ab. So entsteht kein Schema und der Hund kann das Gelernte besser generalisieren.

Also, ran an den Speck (im wahrsten Sinne) und Üben! Es lohnt sich und kann so wichtig für die Hunde sein.

Hundetrainer – Literatur- und Lernempfehlung

Vor ein paar Tagen erreichte mich die Frage, welche Literatur ich für die Ausbildung zum Hundetrainer empfehlen kann. Da dies sicher einige Leute interessiert, habe ich mir gedacht, mache ich direkt mal eine Liste und veröffentliche diese hier.

Anfangen darf man gerne mit den beiden Büchern von Fr. Dr. Dorit Urd Feddersen – Petersen, Ausdrucksverhalten des Hundes und Hundepsychologie. Bald erscheint (hoffentlich endlich) ihr drittes Standardwerk. Dies wird sich mit dem Thema Verhaltensentwicklung und -entstehung beschäftigen. Wird sicher interessant.

Dann gibt es verschiedene Bücher zu den diversen Themen, die man auf dem Kasten haben sollte. So z.B. die beiden Werke zum Thema Kastration und Verhalten von Sophie Strodtbeck / Gansloßer und von Dr. Gabriele Niepel.

Zum Thema Mensch und Hund sind alle Werke von Adam Miklosi lesenswert, leider aber nicht ganz einfach zu bekommen.

  • Feddersen-Petersen : Hundepsychologie
  • Feddersen-Petersen : Ausdrucksverhalten beim Hund
  • Feddersen-Petersen : Verhaltensentwicklung beim Hund
  • Strodtbeck/Gansloßer: Kastration und Verhalten beim Hund
  • Gabriele Niepel: Kastration beim Hund
  • Adam Miklosi: Hunde: Evolution, Kognition und Verhalten
  • Gansloßer/Kitchenham: Forschung trifft Hund

Diese Bücher habe ich alle und alle gelesen und kann sie bedingungslos weiterempfehlen. Natürlich fehlen dann noch diverse Bücher zu Hormonen und Aggressionsverhalten, zu 1. Hilfe und zu Ernährung. Weiterhin dürfen Marketingseminare/Bücher etc. gelesen werden. Was man als gute Übersicht noch empfehlen kann ist das Handbuch für Hundetrainer von Theby, was ich allerdings nicht alles unterstützen kann was da so drinsteht ;)

Falls ihr noch interessante Buchtipps habt, ab in die Kommentare damit :)

Der unsichere Hund – Erkennen, interpretieren und reagieren

Der unsichere Hund – Ausdrucksverhalten erkennen und richtig handeln

Nächste Woche ist es soweit – ich komme für einen ersten interessanten Vortrag in die Praxis von Janine Gaber, Tierheilpraktikerin aus Herten, Recklinghausen. Im Vortrag geht es vor allem um das Ausdrucksverhalten des unsicheren Hundes. Dabei ist erstmal nachrangig, wieso der Hund unsicher ist. Wichtig ist, das Verhalten erkennen zu können. Die nächsten Schritte sind dann die richtige Interpretation und letztlich eine vernünftige Schlussfolgerung, sprich eine Handlung unsererseits, die wir daraus ableiten.

Denn: Wir können unseren Vierbeinern gehörig unter die Pfoten greifen. Häufig sehnen sich unsichere Hunde nach Verständnis und Hilfe. Betrachtet man die Hund-Mensch Beziehung, sind wir eigentlich dazu verpflichtet, zu helfen. Als Autorität, als Tonangeber in einer Beziehung muss man eben auch Pflichten erfüllen. Hunde gehen Beziehungen, in denen sie nicht die erste Geige spielen, sprich auf Privilegien verzichten, nur ein, weil diese Beziehung anderen Nutzen, zum Beispiel Sicherheit und der Zugang zu Nahrung, generiert. Puuh. Langer Satz. In kurz: Will ich, dass mein Hund mir folgt, muss ich auch für Sicherheit sorgen.

Dabei ist Schritt 1, und eigentlich der wichtigste Schritt: Das subjektive Empfinden des Vierbeiners entscheidet darüber, ob der Hund in Sicherheit ist oder nicht. Mache ich z.B. die Haustüre auf, bellt mein Hund häufig zuerst. Er ist noch gar nicht draußen. Doch er möchte mit seinem Bellen schonmal alle potentiellen Gefahren vertreiben. Natürlich wurde er noch nie direkt an der Haustür von einem wildgewordenen Hund, einem blutrünstigen Fremden oder einem Vogelschwarm angegriffen. Rational ist die Angst nicht. Objektiv gesehen, besteht keinerlei Gefahr für den Hund. Doch wie gesagt, darum geht es gar nicht. Merke: Es ist wichtig, was der Hund fühlt, nicht was wir denken oder fühlen.

Schritt 2: Unsicherheiten interpretieren – wovor fürchtet sich mein Hund?

Habe ich erkannt, dass mein Hund sich unwohl fühlt, leicht verängstigt oder gar in Panik ist, habe ich nun die Frage nach dem “Warum” zu lösen. Das ist oftmals gar nicht so einfach und eine meiner Hauptaufgaben als Verhaltensberater. Oftmals komme ich in Familien, in denen das Verhalten des Hundes missinterpretiert wurde. Zugegeben: Es ist nicht immer einfach das Verhalten der Vierbeiner zu deuten. Auch ich werde häufig gefragt “und wieso macht der DAS jetzt?” Puh, keine Ahnung. Verhalten ist immer kontextspezifisch und hängt von den gemachten Erfahrungen oder Instinkten des Hundes ab. Nach ein paar Minuten jedes Verhalten interpretieren zu können – unmöglich.

Dennoch sollte ich den Hund einmal genau beobachten. Komme ich in eine Familie, stelle ich unter anderem folgende Fragen: Wann wird der Hund unsicher? Wie äußert sich diese Unsicherheit? Gibt es Parallelen zwischen den Situationen? Wann trat das Verhalten das erste mal auf? Ist es seitdem unverändert, oder hat sich das Verhalten verändert? Wurde der Hund medizinisch durchgecheckt? Wie lange bleibt der Hund unsicher? Wie reagieren Sie, wenn der Hund unsicher ist?

Dann schaue ich mir noch die Beziehung und das Zusammenleben zwischen Hund und Mensch an, lasse mir eine möglichst detaillierte Geschichte des Hundes geben. Dann kann man sich vielleicht ein grobes Bild über das Verhalten machen. Die richtige Interpretation ist ein Schlüsselpunkt im Hundetraining oder Verhaltensmanagement. Trainiere ich falsch, weil ich falsch interpretiert habe, kann dies schnell nach hinten losgehen. (Analysen Ihrer Hundebeziehung bei mir zu Ihrem Wunschpreis – Ab 0€ – Mehr dazu lesen Sie hier)

Schritt 3: Das Training mit dem unsicheren Hund

Nach der Interpretation muss ich die richtigen Schlüsse aus der Situation ziehen. Wie kann ich das Verhalten bzw. diese ganze Situation beeinflussen? Kann ich die Situation meiden? Ja? Kann eine Lösung sein. Kommt diese Situation aber häufiger vor, oder muss ich für das Meiden der Situation zu viele Einschnitte hinnehmen (Ich denke da zum Beispiel an manche Menschen, die nur nachts mit dem Hund gehen, weil der Hund Angst vor anderen Menschen hat), macht ein dauerhaftes Meiden keinen Sinn. Kann ich den Hund beeinflussen? Durch Training? Homöpatisch? Medikamentös? Eine Patentlösung gibt es natürlich nicht. Die Rahmenbedingungen, z.B. die Mensch-Hund Beziehung, sollten stimmen, damit das Training effektiv sein kann.

Dann steht einem effektiven Management des unsicheren Hundes fast nichts mehr im Wege. Sie müssen nur wollen, und bereit sein, ein bisschen Zeit zu investieren. ABER: Es lohnt sich. In den meisten Fällen lohnt es sich wirklich und es ist eine echte Herzenssache, unsicheren Hunden auf die Beine zu helfen.

Mein Hund hat Angst vor Menschen

Hilfe! Mein Hund hat Angst vor Menschen!

Ihr Hund hat Angst vor Menschen? Er bellt diese schon aus großer Entfernung an und Sie wissen nicht mehr weiter? Es folgt ein kleiner Überblick über die Situation und ein Lösungsansatz.

dsc09624

Es ist Freitagmorgen. Ich gehe mit meinem Hund spazieren und lobe ihn ausgiebig, als er eine Frau anbellt. Sichtlich verwirrt blicken ein paar Zuschauer drein, vermutlich fragen sie sich, wieso ich meinen Hund lobe, wo er doch offensichtlich falsches Verhalten zeigt. Bestimmt ist dieser junge Mann jemand, der seinen Hund wild machen möchte und ihn als Schutzhund benutzen oder für Hundekämpfe abrichten will.

Nein!

Das Problem ist ein ganz anderes. Balou, mein Boxer – Schäferhund Mischling, 5 Jahre, ist ein sehr unsicherer Hund. Geprägt durch seine Geschichte, wird er nie ein vollends souveränes Tier werden. Seine Unsicherheit im Umgang mit fremden Menschen sah früher so aus, dass er diese, je nach Erscheinungsbild, mit Scheinangriffen oder ungehemmten Attacken vertreiben wollte. An der Leine sieht das natürlich gefährlich aus, ohne Leine ist es das auch. Nun muss ich zugeben, dass ich damals hilflos überfordert war. Ich kannte dieses Verhalten von Hunden nicht und holte mir Hilfe. Was eigentlich helfen sollte, wurde nur noch schlimmer. Kein Hundetrainer konnte uns helfen. Im Gegenteil: Balou war mittlerweile richtig erregt, sobald er nur durch die Haustüre nach draußen ging. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Er bekam damals mächtig Ärger dafür, zu bellen und zu knurren. Doch dies war seine Lösungsstrategie für die brenzligen Situationen mit Menschen. Er stand also in einem bitteren Interessenkonflikt, etwas, das man durchaus als Zwickmühle beschreiben könnte.

Es braucht Zeit, Geduld und Vertrauen

Als ich mich dann selbst weiterbildete und nun Ahnung von Vierbeinern hatte, reflektierte ich meine Situation und versuchte, mir mich als Kunden vorzustellen. Ich erarbeitete ein Konzept, mit dem ich heute sehr erfolgreich genau solche Fälle wie Balou wieder aufrichte. Es geht dabei nicht um meine suuuuper Fähigkeiten, nicht ich bin der Star und biege alle Hunde wieder hin. An sich ist meine Leistung nur, zu erkennen, um welches Problem es sich handelt. Der Rest ist reine Logik.

Ich versuche immer langfristig zu denken und Probleme bei deren Ursachen zu packen. So sollten Hunde, die im Umgang mit etwas unsicher sind, selbstbewusster werden. Wie wird nun ein Hund, der auf 100 Meter alle Menschen anfällt, selbstsicherer? Wo fange ich an? Was ist dem Hund zuzumuten, was meiner Umwelt und mir?

Das ist eine schwierige Frage und muss für jedes Mensch-Hund Team neu beantwortet werden. Die Grundbausteine des Trainings sind aber immer die gleichen:

Der Hund muss lernen, dem Menschen zu vertrauen. Aber: Er muss auch selbst mehr Sicherheit bekommen. Für mich sieht bei Balou die Lösung so aus: Er meldet, wenn ihm etwas unangenehm ist. Da muss ich mich nicht schlecht fühlen, weil mein Hund bellt. Ja, ich bin Hundetrainer und mein Hund bellt. Ja wieso eigentlich auch nicht? Hunde bellen nun einmal. Von Natur aus. So meldet sich ein Hund. Und wenn man nur ein bisschen Ahnung von Hunden hat, hört man seine Unsicherheit sehr gut aus dem beinahe flehentlichen Bellen heraus.

Balou meldet sich also bei mir und ich bewerte dann die Situation. Kann ich ihn vielleicht auf meine andere Körperseite bringen und mich zwischen Ihn und die bedrohliche Person stellen? Gibt es vielleicht eine kleine Nische, wo wir kurz verschwinden können, bis die Situation vorbei ist? Über all dem steht aber sowieso erstmal eines: Verständnis! Solange mein Hund nicht angreift, sondern nur meldet, lobe ich ihn. Ich muss ihm zeigen, dass ich ihn verstehe, dass ich seine Situation begreife.

Ausweichen kann kurzfristig weiterhelfen

Wenn ich in einer schmalen Gasse bin, und mir kommt eine Person entgegen, die Balou gar nicht kann, dann kann es durchaus Sinn machen, umzudrehen und einen anderen Weg zu finden. Hat er beispielsweise kurz vorher eine andere Situation erlebt, die ihn aufregte, ist sein Körper noch auf Alarmbereitschaft geschaltet. Die Hormone sind noch im Blut und er wird auch bei dieser Person wieder anschlagen. Da kann es Sinn machen, einfach umzudrehen.

Langfristig gesehen, ist das dauerhafte Ausweichen und damit scheuen von Stresssituationen allerdings nicht empfehlenswert. Wir müssen versuchen, die Tiere gegen den Stress zu desensibilisieren. Dabei gilt es stets, mit moderatem Stress zu arbeiten. Dies ist natürlich schwer im echten leben, deshalb kann es durchaus Sinn machen, solche Übungen zu stellen und professionell begleiten zu lassen.

Fazit:

Wir müssen dem Hund einen Lösungsansatz präsentieren, der ihm zeigt, dass er hilft. Verfügt der Hund über so einen Rettungsanker, und weiß er, dass dieser auch hilft, wird sein Selbstbewusstsein langfristig steigen.

Haben Sie Fragen? Rufen Sie an oder schreiben Sie die Frage unten in die Kommentare.

Spiel von Hunden abbrechen: Idee

Wenn Hunde besser aufhören zu spielen

Wenn Hunde intensiv miteinander spielen, haben sie keine Augen und Ohren für ihre Umwelt mehr. Kommt dann ein Radfahrer oder ein Jogger daher, eine junge Familie mit Kinderwagen oder ein Rollstuhlfahrer, kommt man schnell ins Schwitzen. Man hofft inständig, dass die Hunde an Ort und Stelle bleiben und nicht mitten in die Bahn der sonstigen, wir nennen sie mal Verkehrsteilnehmer, toben.

DSC01563

Diese und andere Situationen können es sehr sinnvoll machen, dem Hund ein Signal beizubringen, bei dem er das Spiel abbricht und sich einmal zu uns orientiert, damit wir gegebenenfalls weitere Anweisungen geben können. Nicht immer ist es die beste Lösung, dann zu uns zu kommen. Es kann in einigen Fällen durchaus Sinn machen, dass der Hund an Ort und Stelle bleiben soll.

Für das Signal empfehle ich eine Hundepfeife. Diese ist auch auf große Distanz und bei großer Ablenkung für den Hund wahrnehmbar. Weiterhin schont ihr Einsatz meine Stimme, wenn ich im Pfeifen mit dem Mund/Fingern nicht ganz so gut bin, wie so mancher Bundesligatrainer.

Eine gute Belohnung ist wichtig

Weiterhin wäre es wichtig, eine sehr gute Belohnung für den Hund parat zu haben. Der Abbruch eines Spiels ist eine große Herausforderung und der Hund lässt dabei so viel Spaß liegen, um sich auf Sie zu konzentrieren. Welches die beste Belohnung ist? Das müssen Sie entscheiden! Wir können nur so viel festhalten: Leckerchen sind dies häufig nicht. Man kann sich vorstellen, dass ein weiterspielen dürfen für viele Hunde bereits eine adäquate Belohnung darstellt. Hier lesen Sie nochmal ein paar Informationen darüber, wie Sie Ihren Hund belohnen.

Wie immer gilt: Fangen Sie klein an. Anfangs kann es einfacher sein, wenn Sie mit dem Hund spielen und dieses Signal einbauen. Es hat sich in der Praxis als echte Herausforderung gezeigt, den eigenen Hund zu stoppen, wenn der zweite Hund weiterhin intensive Spielbemühungen zeigt. Dass Ihr Hund auch dann noch cool bleibt, ist das Ziel, jedoch auch die Königsdisziplin dieser Übung.

Viel Spaß beim Üben!

Über die Resozialisierung von Hunden

Am Sonntag halten wir einen Vortrag über unsere Arbeit in der Resozialisierung von Hunden auf der Messe Rund um den Hund von den Ruhrpottbullis in Duisburg.

Vorab haben wir den Vortrag, zugegeben, in abgespeckter Form, schonmal für euch niedergeschrieben. Natürlich sind Wortwahl und exakte Reihenfolge noch nicht 100% fix, aber ihr bekommt so einen guten Vorgeschmack, auf das was kommt.

Resozialisierung von Hunden – Vorgehen, Dauer, Rahmenbedingungen

Spricht man über die Resozialisierung, muss man natürlich erst einmal definieren, was das überhaupt bedeutet. Re – also wieder, und sozial, also gesellschaftsfähig, bilden das Wort, was damit so viel bedeutet wie: Den Hund wieder gesellschaftsfähig machen.

Hundeschule Recklinghausen

Dies impliziert, dass der Hund vor diesem Prozess nicht gesellschaftsfähig war. Hier treffen wir auf die nächste Frage: Was bedeutet denn eigentlich gesellschaftsfähig sein und was nicht?

Grob gesagt können wir festhalten, dass Hunde dann nicht gesellschaftsfähig sind, wenn sie eine Gefahr für dritte oder auch sich selbst sind. Dies kann dann der Fall sein, wenn der Hund sehr ängstlich ist, oder den Bezug zur Verhältnismäßigkeit seines Verhalten verloren oder gar nicht gelernt hat.

Weil wir noch nicht genug Fragen gestellt haben, stellen wir an dieser Stelle eine weitere: Welches Verhalten ist Verhältnismäßig? Die Antwort füllt ebenfalls einen ganzen Abendvortrag und wird hier mit einem einfachen “Das ist kontexspezifisch” abgespeißt.

DSC01278

Neben den Ausprägungen von unsozial sein sind für die Arbeit in der Resozialisierung von Hunden vor allem die Ursachen interessant. Stets geht es um die Ursachen und nicht um Oberflächlichkeiten. Zu den Ursachen können zählen:

  • Fehlende oder schlechte Erfahrungen
  • Unsicherheit
  • Schmerzen
  • neuronale Ursachen

Häufig tritt ein ungewolltes Verhalten erst in sehr abgeschwächter Form auf. Um zu verstehen, wie es von einem kleinen Bellen bei Unsicherheit zu einem Leinenaggressiven Hund kommt, müssen wir uns das Lernverhalten der Hunde genauer betrachten.

Da auch dies einen (oder mehrere) Abendvorträge füllt, springen wir hier weiter, nicht ohne das Lernverhalten (bzw. das hier relevante) der Hunde in einem Satz zu erklären:

Hunde lernen aus den unmittelbaren Konsequenzen aus ihrem Handeln

Hunde sind ganz pragmatisch und wägen ab, ob ein Verhalten zum Erfolg oder zu Misserfolg geführt hat. Bellt ein Hund einen Menschen an, weil er Angst vor ihm hat, weicht dieser Mensch dann zurück und macht einen Bogen um den Vierbeiner, wird dieser das Verhalten in einer ähnlichen Situation wieder zeigen. Es führte zum gewollten Erfolg. Ferner sinkt nun die Hemmschwelle, das Verhalten zu zeigen.

Langfristig speichert sich eine gewisse Handlungsweise ab, die zum Erfolg führt. Diese muss während der Resozialisierung umgepolt werden. Dies kann ein durchaus langwieriger und schwieriger Prozess sein.

Zeit Zeit Zeit – Sie brauchen Zeit

Wobei wir auch schon bei einem wesentlichen Teil der Arbeit wären. Je nach Hund – Mensch Team brauchen wir lange Zeit, um einen sicheren Erfolg gewährleisten zu können. Natürlich ist ein Hund, der 5 Jahre lang lernte, fremde Menschen anzugreifen, nicht nach 2 Minuten “Training” geheilt.

Screenshot 2016-08-01 11.52.09

Wie lange die Resozialisierung dauert, kann pauschal nicht beantwortet werden. Insgesamt sind viele Faktoren entscheidend, unter anderem:

Intensität des Fehlverhaltens, Güte der Mensch – Hund Beziehung, Häufigkeit des Trainings, Intelligenz des Hundes etc.

Vorgehen: So resozialisieren wir den Hund

Der erste Schritt ist eine Ist-Analyse zu machen. Wir müssen eine umfangreiche Anamnese durchführen und die Probleme und Verbesserungsbedarf rund um die Bedürfnisse von Hund und Mensch feststellen.

Nachdem wir die “Fehler” gefunden haben, schauen wir nach den Ursachen dieser Fehler. Diese müssen nun analysiert und beseitigt werden. Bsp: ist ein Hund unsicher und greift deshalb Menschen an, sollten wir nicht nur sein Verhalten an sich ändern. Zusammen mit einer Optimierung der Mensch – Hund Beziehung und umfangreicher Schulung des Menschen, müssen wir auch das Selbstbewusstsein des Hundes stärken, um langfristig erfolgreich zu sein.

Wie dies im Detail ausschaut, ist von Mensch, Hund und Geschichte abhängig. Nachdem der Hund nun selbstsicherer ist, können wir im moderatem Stress den Hund nun mit den für ihn unangenehmen Situationen konfrontieren. Wichtig ist, nun dem Hund eine Lösung zu präsentieren, wie er aus der Situation heraus kommt. Diese besteht z.B. bei Leinenaggressionen darin, dass der Hund möglichst Distanz zwischen sich und das Objekt der Angst bringt. Im Training kann der erste Schritt z.B. so aussehen, dass der Mensch so lange stehenbleibt und sich nicht entfernt, wie der Hund bellt und tobt. Geht der Hund einen Schritt nach hinten, entfernt sich der Mensch sofort. So lernt der Hund nun, dass ab sofort nur noch das neue Verhalten zum Erfolg führt. Nach und nach wird dies nun auf echte Situationen umgewandelt.

Bei der Desensibilisierung eines Hundes gegenüber stressigen Situationen kommt es auf den Einsatz moderaten Stresses und eine häufige Wiederholung an.

Haben Sie selbst einen Hund, der Ihnen Schwierigkeiten bereitet? Zögern Sie nicht, einen professionellen Hundetrainer zu kontaktieren und nach Hilfe zu fragen.

Louie… LOUIE!…. L O U I E !!!!

Man kann sich gut vorstellen, wie ich die Überschrift lauthals über das Feld schreie. Was fällt mir dabei auf? Puh, das ist nur der Name des Hundes. Sollte ich als Hundetrainer etwas alles falsch machen was geht?

Ich wurde mal wieder mit der Aussage konfrontiert, dass man ja zwingend dem Hund immer einen Befehl geben muss, damit dieser auch wisse, was zu tun ist. Einfach den Namen zu rufen, würde nichts bringen und den Hund höchstens verwirren.

DSC04836

Nun, ich gebe zu, dass Louie auch das ein oder andere mal noch einen Zusatz von mir bekommt, meist aber nur, wenn ich fröhlich von ihm möchte, dass er zu mir kommt, oder er an Ort und Stelle bleiben soll. Ein normaler Abruf und der Abbruch einer gezeigten Verhaltensweise funktionieren bei mir ohne Zusatz. Entweder ist es dann ein schroff gesprochenes “LOUIE!”, oder eben ein freundliches, hohes “Loooooouuuuuuuie”.

Man muss also nicht immer einen Zusatz zum Namen des Hundes aussprechen. Doch: natürlich ist es falsch, ständig den Namen des Hundes auszurufen. Hier ist aber allein der Fakt, dass Ihr Hund in dieser Situation nicht auf sie hört, stattdessen weiterhin das macht, was ihn mehr interessiert, und dies keine Folgen für ihn hat, Sie somit Ihre Autorität verspielen, entscheidend. Denn genauso fatal wäre es, in der gleichen Situation “Louie komm hier her, Louie komm hier her, Louie komm hier her” zu rufen, ohne dass etwas passiert.

Im Grunde gilt sowieso: Lassen Sie sich nicht so schnell verunsichern und glauben Sie nicht alles was sie auf der Straße oder dem Netz lesen. Bilden Sie sich eine eigene Meinung und wägen Sie ab, wie sie mit ihrem Hund kommunizieren.