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Auslastung, Auslastung, Auslastung!

Wie viel Auslastung braucht ein (Hüte-) Hund?

Der kleine Alexander geht mit seiner Mutter durch die Stadt. Er sieht eine Eisdiele und schreit sofort: „Mammaaaaaaaa ich will eine Eiiiis!“. Doch er bekommt keins. Keine 50 Meter später sieht er einen kleinen Spielplatz. „Mammaaaaaa, ich will rutschen“. Doch da keine Zeit war, konnte der kleine Alexander nicht rutschen. Dann also im Kaufhaus an den Elektrogeräten spielen. Doch Alexander brauchte neue Schuhe, und er war ganz enttäuscht, als er in Etage zwei des Kaufhauses die Rolltreppe verlassen musste, statt nach ganz oben zur neuesten Konsole zu fahren. Zwanzig Jahre später hat Alexander seinen damaligen Unmut über seine Mutter verloren. Er weiß genau, dass es sich nur so anfühlte, als wäre er das einzige Kind, welches keine Wünsche erfüllt bekam. Doch die Frustrationstoleranz, die sich bei ihm aufgebaut hatte, lässt ihn heute in vielen Situationen entspannt und locker bleiben.

Alexander? Kind? Spielkonsole? Ist das hier nicht ein Blog über Hunde? Ja, und zwar geht es heute um Hütehunde!

Hütehunde und ihr Drang nach Auslastung, oder ist der nimmer müde werdende Hütehund ein menschengemachtes Problem?

Gerade in der Zeit des Heranwachsen ist es wichtig, Ruhe und Frust kennenzulernen.

Zur Sprache kam das Thema auf einem Tagesseminar, als es um die Auswahl des richtigen Hundes ging. Hütehunde seien ja per se nicht im Hausstand zu halten, weil die Beschäftigung die sie benötigen, um zufrieden zu sein, kann ja niemand leisten. Dem stimme ich so nicht ganz zu. Natürlich ist die Haltung von spezialisierten Tieren als Haustiere diskussionswürdig. Doch nicht nur die bekannten Hütehunde wie Aussie oder Bordercollie sind hochspezialisiert. Im Grunde gibt es keinen Hund, der nicht eine Vergangenheit hat, in der er für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet wurde. Einen reinen Begleithund, dessen biologischer Sinn es ist, den Menschen zu begleiten, gibt es so nicht. Auch, wenn wir Menschen den Hund heutzutage hauptsächlich in dieser Form halten, und so nicht selten dem Tiere nicht ganz gerecht werden.

Ein Hund bereitet sich in den ersten Wochen und frühen Monaten seines Lebens auf sein späteres Leben vor. Dass diese sensiblen Phasen wichtig für die Sozialisation und die Gewöhnung an Umweltreize wichtig ist, ist bei den meisten Hundebesitzern angekommen. Deshalb besuchen ja auch immer mehr Menschen schon früh im Hundeleben eine Hundeschule. Was noch nicht so verbreitet ist, ist die Tatsache, dass auch der Alltag, in den der Hund eintritt, wenn er bei seinen neuen Besitzern einzieht, schnell zur Gewohnheit wird. Ein Hund, der die ersten drei oder vier Wochen keine Minute alleine ist, weil Herrchen und Frauchen sich den Jahresurlaub für den Hund aufgespart haben, wird ganz schön Augen machen, wenn er Montag Morgen nach dem Urlaub auf einmal für vier, acht oder zehn Stunden alleine bleiben muss. Und so geht es auch dem (Hüte-)Hund, der schon früh an Auslastung gewöhnt wird. Für einen Welpen ist ein kurzer Spaziergang, ab und zu neue Orte, neue Umweltreize und Spielkameraden treffen spannend genug, als dass er sich damit auch zufrieden geben muss. Will er mehr, muss er lernen, dass es mehr nicht gibt. Fertig. Der Umgang mit Frust, mit Enttäuschung und Scheitern ist im Leben des Menschen wie im Leben des Hundes ein ganz wichtiger. Langeweile gehört ebenso in das Leben eines Vierbeiners.

Die Hormone, die der Körper ausschüttet, wenn der Hund mit Objekten oder Spiel beschäftigt wird, lassen das ganze lustvoll erscheinen und äußerst positiv abspeichern, sodass schnell eine Suchtgefahr vorhanden ist. Je mehr und eher ich den Hund damit konfrontiere, desto mehr wird er sich an das Pensum gewöhnen, seinen Körper und Geist trainieren und zusehends schwerer müde zu bekommen sein. Fertig ist der Balljunkie, der auf dem Spaziergang nur noch darauf wartet, endlich dem Filzball hinterher zu jagen.

Wir Hundebesitzer sollten darauf achten, dem Hund gerecht zu werden, ohne ihn dabei im Vorhinein in eine „der braucht ja Auslastung“ Position zu manövrieren. Denn der Hütehund ist (hier kommen wieder die Hormone ins Spiel) kaum dazu in der Lage, „nein“ zu sagen, wenn sich ein Bewegungsreiz von ihm entfernt

Vom ängstlichen Rottweiler Welpen zur Gefahr

Die Geschichte eines Rottweilers

Seit kurzem habe ich einen 19 Monate alten, 55 Kilogramm schweren, kastrierten Rottweiler im Training. Er greift ungehemmt Menschen und Hunde an, was ihn zu einer echten Gefahr macht.

Die Frage, die ich mir bei so schweren Fällen immer wieder stelle, ist: “Wie konnte es so kommen? Welche Einflüsse, Entscheidungen führen dazu, dass sich ein Hund so entwickelt?” Dabei ist die erste Erkenntnis meist, dass eine solche Entwicklung nicht an einem einzigen Faktor festgemacht werden kann. Zumeist ist es ein Zusammenspiel aus mehreren ungünstigen Entscheidungen, die einen negativen Verlauf begünstigt.

Der Rottweiler kommt aus dem Ausland. Die Besitzer des Rottweilers haben diesen speziellen Züchter ausgesucht, weil seine Tiere etwas kürzere Schnauzen haben als andere Rottweiler. Dies war aus rein ästhetischen Gründen für die Besitzer ausschlaggebend. Schon die Aufzucht des Welpen war alles andere als ideal: Ländlich gelegen, ist der Hund 12 Wochen lang nur drinnen, in einem Raum gehalten worden. So konnte er keinerlei Umweltreize kennenlernen. Mit 12 Wochen ist er dann nach Deutschland gekommen.

In Deutschland angekommen ging es für den Kleinen direkt in die Welpengruppe. Weil er aber groß und stürmisch war, wurde er hier nicht lange geduldet. Um trotzdem bei der Erziehung des Hundes Unterstützung zu erhalten, suchten sich die Besitzer eine Hundetrainerin. Der Rottweiler wurde mir als ängstlicher Welpe beschrieben, der deutlich zurückwich, wenn fremde Menschen auf ihn zugingen, um bei seinen Besitzern Schutz zu suchen. Wer schonmal einen Welpen hatte, der weiß, wie häufig man auf der Straße angequatscht wird, und wie häufig fremde Menschen versuchen, den Hund zu Streicheln. Da unser Rottweiler in seiner Kinderstube solche Situationen nicht kennenlernte, reagierte er ängstlich. Die engagierte Trainerin riet dem Paar, den Hund mit diesem Stress zu konfrontieren und zur Seite zu treten, sobald der Welpe Schutz bei ihnen suche. So sollte der Hund lernen, schwierige Situationen “einfach” auszuhalten.  Er war also auf sich allein gestellt. Hier ist meiner Einschätzung nach eine einschneidende Entscheidung getroffen worden, die das heutige Verhalten des Hundes begünstigt hat: . Der Hund lernt durch das Ausweichen der Besitzer, dass sein Schutzgesuch ignoriert wird und er bei seinen Menschen vergeblich um Hilfe sucht. Dem Hund bleiben zwei Möglichkeiten. Die Flucht, oder die Flucht nach vorne. Da der Hund stets angeleint war, konnte er der für ihn unangenehmen Situation nicht entkommen. Lösung eins war also keine Option. So blieb dem Hund als einziger Ausweg nur die Flucht nach vorne. 

Wenn ein Hund für ein Problem eine Lösung findet, indem er eine bestimmte Handlungsweise zeigt, steigt die Bereitschaft, dieses Verhalten in einer ähnlichen Situation wieder zu zeigen. Der Rottweiler hat hier gelernt, dass die Menschen ihn in Ruhe lassen, wenn er aggressiv auftritt und an der Leine pöbelt.

Zu der bisher beschriebenen Kernproblematik kommen noch einige Fehler hinzu, die ebenfalls unwissentlich, im Laufe der letzten Monate gemacht worden sind. Zum einen ist hier die Kastration des Hundes zu nennen. Einem Rüden, der gestresst ist, das Hormon Testosteron wegzunehmen, welches stresshemmend wirkt und Selbstbewusstsein gibt, ist immer kontraproduktiv. Zum Anderen wurde der Hund massiv auf Objektspiele getrimmt, was in Kombination mit seiner extrem reizarmen Aufzucht eine Impulskontrollstörung begünstigt. Das bedeutet, dass der Hund in gewissen, besonders stressenden Situationen, seine Entscheidungen nicht mehr bewusst treffen kann, sondern, sozusagen reflexartig angreift. Wer sich für dieses Thema interessiert, kann sich diesen Artikel hier mal durchlesen, der sehr aufschlussreich ist. (https://canisindipendicus.blog/2017/10/01/von-impulskontrollstoerungen-zum-unerwuenschten-verhalten-des-hundes/)

Zuletzt ist die falsche Erziehung des Hundes zu nennen, die, abseits des dominierenden Problems mit fremden Hunden und Menschen, auffällig ist. Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist hier aus den Fugen geraten. Es besteht zwar eine Enge Bindung zwischen Mensch und Hund, doch der Hund vertraut dem Menschen nicht mehr, was dazu führt, dass er auch seine Anweisungen in Stresssituationen ignoriert. Dies ist durchaus problematisch, denn der Hund sollte grundsätzlich dazu bereit sein, die Grenzen und Regeln des Menschen zu akzeptieren. 

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Hund schon im Welpenalter keine optimalen Startvoraussetzungen für ein entspanntes und harmonisches Leben hatte. Es ist quasi alles schief gelaufen, was schief laufen kann. 

Was soll man den Haltern in so einer Situation nun raten? Dasselbe, was ein Tierarzt den beiden bereits nahe gelegt hat? “Der Hund muss eingeschläfert werden!“ Grundsätzlich kann ich die Bereitschaft einiger Menschen, so einen Hund einzuschläfern, verstehen. Werden seine Probleme nicht sach- und fachgerecht angegangen, bleibt der Hund eine Gefahr für Mensch und Tier. Der Rottweiler ist jedoch noch jung und seine Menschen sind top motiviert, dem Tier zu helfen. Insbesondere die Tatsache, dass der Hund sich (langsam) an fremde Reize gewöhnt und diese problemfrei akzeptiert, stimmt mich zuversichtlich. Die Komplexität des Falls zieht zwar eine langwierige Problembehandlung nach sich – den Hund in richtige Bahnen zu lenken, ist allerdings nicht aussichtslos!

Für mich am wichtigsten dabei ist, dass die Halter ihren eigenen Hund verstehen, besser lesen können. Denn wenn dieses Grundverständnis für das Ausdrucks- und Lernverhalten schon früher vorhanden gewesen wäre, hätten die Halter beispielsweise vielleicht auch eher erkannt, dass ein bewusstes Zurückweichen im Welpenalter kontraproduktiv für das Verhalten des eignen Hundes war. Die Schulung der Halter hat hier also oberste Priorität.

Danach können wir anfangen, auch mit dem Hund zu arbeiten. In einem ersten Schritt setzte ich bei der Grunderziehung des Hundes an, denn schon hier zeigen sich gravierende Probleme. Kann der Hund die einfachsten Anweisungen nicht umsetzen oder annehmen, kann ich auch keine weiteren Probleme behandeln.

Nachdem dann in reizarmen Situationen leichte Gehorsamsübungen möglich sind, wollen wir versuchen, den Hund an Mensch und Hund zu gewöhnen. Wichtig dabei ist, dass wir behutsam vorgehen, und den Hund nicht überfordern. Die Konfrontation mit stressauslösenden Reizen (in diesem Fall: fremde Menschen und Hunde) ist unausweichlich, es gilt allerdings, dem Stress in kleinen Dosen und moderater Intensität zu begegnen. Dabei wird der Hund im eingezäunten Gelände frei laufen dürfen, und einzelnen, souveränen Hunden, begegnen. Er soll lernen, dass Hunde durchaus auch Positives bedeuten können. Die Besitzer sind dann dafür da, die Spielregeln für den Rottweiler im Umgang mit anderen Hunden durchzusetzen. Der Hund muss schließlich lernen, was er darf, und was nicht.

Nachdem der Hund einige kontrollierte Hundebegegnungen im eingezäunten Gelände hatte, gilt es, die gemachten Erfahrungen auch auf die echte Welt zu übertragen. Das heißt, wir werden an unterschiedlichen Orten Hundebegegnungen forcieren. 

Das alles ist ein langer Weg, der durchaus von Rückschlägen begleitet sein kann. Es ist einerseits traurig, dass so viele ungünstige Entscheidungen das Leben dieses Rottweilers in die heutige Richtung gelenkt haben. Andererseits bin ich froh, wenn Hundebesitzer in diesem Fall zu ihren Tieren stehen, sich der Verantwortung stellen, und bereit sind, alles zu tun, um ihrem Tier zu helfen. Diese Entscheidung verdient großen Respekt.

Der Maulkorb – besser als sein Ruf?

Kaum ein Begriff rund um den Hund ist so negativ belegt wie der Maulkorb. So kommt es mir zumindest vor. Der Gesichtsausdruck, den ich bei vielen Menschen wahrnehme, wenn ich ihnen erzähle, dass die erste Maßnahme ist, ihrem Hund einen Maulkorb aufzusetzen, ist von Schrecken begleitet. „Ein Maulkorb? Wirklich? neeee? Wirklich?“. 

Niemand wünscht sich einen Maulkorb-Träger

Natürlich wünscht sich niemand, dass sein Hund nur noch mit Maulkorb heraus gehen kann. Suggeriert ein Maulkorb doch Gefährlichkeit. Dazu kommt dann ein Gefühl, was wohl am ehesten mit Verachtung oder Unverständnis zu beschreiben ist. Ich selbst gehe mit meinem Hund sehr viel mit Maulkorb raus und viele Leute gucken mich an, als hätte ich meinen Hund nicht im Griff und als würden sie am liebsten sagen:“ach so schwer ist das bisschen Hundeerziehung doch nicht“. Dies kann natürlich auch an meiner Wahrnehmung liegen. Vielleicht schwingt auch eine Menge Respekt für mich mit, weil ich einen schwierigen Hund habe, und mich für ihn und nicht für die Aufgabe oder Abgabe im Tierheim entschieden habe. Gespräche mit anderen Hundebesitzern, die ihrem Hund einen Maulkorb aufsetzen, bestätigen aber, dass man sich eher verachtet vorkommt, denn Verständnis aufgebracht wird. Um diesem „Dilemma Maulkorb“ zu entgehen, entscheiden sich viele Halter dafür, ihren Hund nur noch an der kurzen Leine zu halten oder ihre Spaziergänge so zu gestalten/legen, dass sie auf wenig andere Mitmenschen/Hunde treffen. 

Der Maulkorb – Bringt Sicherheit und Freiheiten

Dass ein Maulkorb aber auch viel Sicherheit, ja sogar mehr Freiheiten gibt, als man auf dem ersten Blick denken würde, bedenken viele Hundebesitzer nicht. Für mich ist der Maulkorb die oft einzige Möglichkeit, sozial unsichere Hunde oder konfliktaufsuchende Hunde in den Sozialkontakt mit Artgenossen zu lassen. So kann ich sichergehen, dass niemand verletzt wird. Zudem laufe ich nicht Gefahr, dass der Hund durch Beißerfolg seine Hemmschwelle für derartiges Verhalten weiter senkt. 

Bei potentiell gefährlichen Hunden (damit sind natürlich nur Individuen und keinesfalls spezifische Rassen gemeint) sehe ich eine Verpflichtung, den Hund mit einem Maulkorb zu sichern. Ich kann noch so sicher sein, meinen Hund auch in schwierigen Situationen gut halten zu können. Niemand kann vorhersagen, ob ich mal stolpere oder das Material versagt. Mir selbst ist es schon passiert, dass sowohl ein Karabinerhaken an der Leine, als auch der Plastikverschluss am Halsband, ihren Geist aufgegeben haben. Ich hatte Glück, dass in diesen Situationen nichts Ernsteres passiert ist.

Wie erkenne ich einen guten Maulkorb?

Ein guter Maulkorb schränkt den Hund kaum ein. Er gibt ihm die Möglichkeit, zu trinken,  zu hecheln, zu gähnen und sich zu übergeben. Erfüllt der Maulkorb diese Eigenschaften und sitzt er sicher, sodass der Hund nicht in der Lage ist, sich selbst des Maulkorbes zu entledigen, spreche ich von einem gut sitzenden Maulkorb. Welche Marke und welches Modell ich benutze, hängt vor allem von der Kopf- und Schnauzenform meines Hundes ab. Boxer brauchen einen anderen Maulkorb als Afghanen, Molosser einen anderen als Zwergspitze. Aus welchem Material der Maulkorb gemacht ist, ist dabei nicht von Bedeutung. Wichtig sind neben den genannten Punkten vor allem Tragekomfort für den Hund und Vermeidung von Verletzungsrisiken anderer Tiere. Tatsächlich habe ich schon Wunden bei Hunden gesehen, die durch unsaubere Schweißnähte bei Drahtmaulkörben entstanden sind. Auf saubere Verarbeitung sollte also geachtet werden. Dabei muss ein guter Maulkorb nicht teuer sein. Ich benutze viele Modelle, die im normalen Zoofachgeschäft, für 15-20 Euro zu erwerben sind. 

Eine Bitte hätte ich an alle Leser, die ihrem Hund einen Maulkorb aufsetzen. Bitte benutzen Sie keine Maulschlaufen. Maulschlaufen sind trichterförmige, dicke Bänder, die eng um das Maul des Hundes gelegt werden – eigentlich kann man hier gar nicht von einem Maulkorb sprechen. Die Hunde haben beim Tragen dieser Maulschlaufen keine Möglichkeit, zu hecheln oder sonst in irgendeiner Art den Mund zu öffnen/bewegen. Der einzige Anwendungsbereich sollte der kurze Tierarztbesuch sein, wenn kein anderer passender Maulkorb zur Verfügung steht. Länger als 2-3 Minuten sollte kein Hund so eine Schlaufe tragen müssen.

Mein Balou trägt seinen Maulkorb ohne Beschwerde. Seinen ersten Maulkorb, der nicht so gut saß, hat er ständig versucht von der Schnauze zu bekommen. Seit wir einen Maulkorb haben, der wirklich gut sitzt, macht er das nicht mehr. So kann er mehr Freiheiten genießen, ohne dass es gefährlich werden kann. Und das ist doch etwas gutes, nicht wahr?

Theoretische Grundlagen des Hundetrainings – Lernen

In meinem Berufsalltag als Hundetrainer in Wuppertal habe ich mit verschiedensten Hunden, Menschen und Problemen im Zusammenleben zwischen Mensch und Hund zu tun. Von unsicheren Hunden, die aus Überforderung anfangen zu pöbeln, über Eigenarten, die sich entwickeln und die Hundehalter in zur Verzweiflung bringen bis hin zu dickköpfigen Hunden, welche die Nerven der Menschen auf die Probe stellen, ist alles mit dabei. Egal welche Probleme die Menschen auch haben mögen, eines haben sie alle gemeinsam. Sie müssen sich mit den Grundlagen des hundlichen Lernverhaltens auseinandersetzen, um zu verstehen, wie das ungewollte Verhalten entstanden ist, und wie wir das Verhalten in eine andere Richtung drehen können.

Wie lernt der Hund?

Hunde lernen vor allen Dingen aus den unmittelbaren Folgen ihrer Handlungen. Als Hundehalter muss ich mich in den Hund hineinversetzen und aus seiner Perspektive betrachten, was in einer bestimmten Situation passiert ist. Ein Beispiel:

Wir befinden uns auf dem Hundespaziergang. Unser Hund sieht einen anderen Hund, zu dem er gerne hingehen möchte. Er fängt an, an der Leine zu ziehen. Wir kennen den anderen Hund und wissen, dass die beiden Hunde sich verstehen. Deshalb gehen wir zusammen mit unserem Hund in die Richtung des anderen Hundes, der stehengeblieben ist, weil sein Hund ebenfalls in die Richtung unseres Hundes zieht. Am Ende haben die beiden Hunde Sozialkontakt. Sie haben ihr Ziel erreicht, indem beide an der Leine gezogen haben und die Richtung vorgegeben haben. Der Lernvorgang beim Hund könnte so aussehen:

Ich möchte zu dem anderen Hund -> Letzte Mal habe ich mein Ziel erreicht, indem ich an der Leine gezogen habe, Herrchen/Frauchen ist dann mitgekommen -> Diese Taktik werde ich wieder versuchen, weil sie erfolgreich war.

An der Leine sollte der Hund nicht ziehen.

Der Hund hat Ziele / eine Motivation

Und genau darum geht es. Der Hund darf gerne Erfolgreich sein. Er darf seine Ziele erreichen und seine Bedürfnisse befriedigen, solange sie unser Zusammenleben oder das Leben anderer nicht belasten. Wir müssen uns die Motivation bzw. das Ziel des Hundes zu Nutze machen, um das Verhalten des Hundes in gewünschte Bahnen zu lenken. Zurück zu unserem “Der Hund will zu einem anderen Hund” – Szenario:

Das Ziel unseres Hundes ist der Sozialkontakt zu einem anderen Hund. Er darf es erreichen, wenn er sich an unsere Regel “An der Leine wird nicht gezogen” hält. Konkret bedeutet das, dass ich nur weiter auf den Hund zugehen sollte, wenn der Hund an lockerer Leine läuft. Führt das Ziehen nämlich nicht zu dem gewünschten Ziel des Hundes, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dieses Verhalten erneut zu zeigen. In der Theorie bedeutet das: Lasse ich den Hund konsequent nicht zum Erfolg kommen, wenn er an der Leine zieht, wird er stets an lockerer Leine laufen.

Als Belohnung für gute Leinenführigkeit, bekommt der Hund Sozialkontakt

Dabei greife ich äußerst selten auf Futter als Belohnung zurück. Futter ist eine von außen hinzugefügte Belohnung und ist selten so wirksam, wie die eigentliche, innere Motivation des Hundes.

Natürlich gibt es noch viele weitere Dinge beim Lernverhalten des Hundes zu beachten, doch meiner Meinung nach ist die Arbeit mit der inneren Motivation des Hundes und die Betrachtung der Situation aus den Augen des Hundes heraus ein wesentlicher Erfolgsfaktor für langfristig erfolgreiches Training mit dem Hund.

Gesundheit und Verhaltensänderungen

Gesundheit und Verhalten

Chiko ist eine siebenjährige Rottweilerdame, die seit einigen Monaten erhebliche Aggressionen gegenüber fremden Menschen zeigt. Noch vor Jahren hat sie den Wesenstest, eine Leinen- und eine Maulkorbbefreiung, anstandslos bestanden. Laut Aussage der Besitzerin ist nicht vorgefallen, was wir als einschneidenes Erlebnis einordnen können. „Hat Ihr Hund etwas schlechtes erlebt?“ ist schließlich die erste Frage, mit der Hundebesitzer konfrontiert werden, wenn sie einen bellenden Hund an der Leine haben. In der Tat gilt auch für mich als Verhaltensberater möglichst viel über die Entwicklungsgeschichte des Hundes zu erfahren.

Hundeschule Wuppertal - Rottweiler.JPEG
Rottweiler sind besonders häufig von der Schilddrüsenunterfunktion betroffen

Doch Chikos Geschichte beinhaltet keine traumatisierenden Ereignisse, die ihre plötzliche Wesensveränderung erklären würden. Deswegen frage ich meine Kundin, ob Chiko gesundheitliche Probleme hat. Wie sich herausstellt, ist ihre Krankenakte gut gefüllt. Als Welpe werden ihr Tumore in der Gesäugeleiste entfernt. Sie wird frühkastriert. Ein Kreuzbandriss legt die Hündin lahm, als sie ein Jahr alt ist. Mittlerweile leidet Chiko ebenfalls an einem grünen Star und hat mit starkem Übergewicht zu kämpfen.

Das Anamnesegespräch zeigt: Chikos Wesensveränderung könnte in ihrem physischen Zustand begründet liegen. Gerade der grüne Star und eine damit einhergehende Beeinträchtigung der Sehfähigkeit kann einen Hund verunsichern und/oder zu Verhaltensänderungen führen. Natürlich könnte ebenso eine andere Krankheit oder Schmerzen ursächlich für Chikos Verhalten sein. Grundsätzlich gilt: Medizinische Gründe sollten zuerst ausgeschlossen werden, bevor wir mit dem Mensch-Hund-Training beginnen.

Ist es die Schilddrüse?

Der Rottweiler steht auf der Liste der Hunderassen, die besonders häufig von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) betroffen sind. Das starke Übergewicht könnte ein Indiz dafür sein.
Die Schilddrüse ist ein hormonproduzierendes Organ im Halsbereich des Hundes. Es produziert die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin).

Diese Schilddrüsenhormone sind für die Regelung des Eiweiß-, Fett- und Zuckerstoffwechsels zuständig und nehmen somit eine zentrale Rolle für die Funktionstüchtigkeit vieler Organe ein. Neben den rein körperlichen Auswirkungen kann die Hypothyreose auch das Verhalten der Vierbeiner beeinflussen. Neben plötzlichen Aggressionen und unwillkürlich erscheinenden Wutausbrüchen, sind auch Depressionen und übersteigerte Angst als Begleitsymptome zu beobachten.

Wenn Ihr Hund also sein Verhalten verändert, und Ihnen kein besonderes Ereignis präsent ist, was diese Veränderung begründen könnte, lassen Sie Ihren Hund vor Trainingsbeginn auf jeden Fall durch einen sachkundigen Tierarzt/ eine Tierärztin durchchecken.

Ein umfangreicherer Artikel über die Schilddrüse findet ihr HIER

Hund resozialisieren? Eine Einschätzung

Kann man unsoziale Hunde resozialisieren?

Viele Hundetrainer rühmen sich damit, aggressive Hunde wieder zu resozialisieren. Doch was bedeutet eigentlich aggressiv, was bedeutet soziales Verhalten im Hundereich, und kann man unsoziale Hunde überhaupt vollends resozialisieren? Ich versuche mal, einen Überblick zu geben.

Das Wort “Sozial” findet seinen Ursprung in der lateinischen Sprache. Nun habe ich mein Latinum nicht mehr gemacht, weil ich nach 4 Jahren genug hatte, und mich nicht ein weiteres Jahr quälen wollte. So helfe ich mir heute mit den im Internet verfügbaren Definitionen und finde Bedeutungen wie “gesellig”, “gesellschaftlich” und Synonyme wie “gemeinnützig”, “karitativ” und “hilfsbereit” sein. Ich benutze in meinen Stunden und Vorträgen ebenfalls gerne die Übersetzung “gesellschaftsfähig sein”.

Was bedeutet sozial, also gesellschaftsfähig, heute?

Die Gesellschaft, das sind alle Menschen und auch die Haustiere der Menschen. Die Ansprüche an unsere Hunde hat sich (in Deutschland bzw. der industrialisierten Welt) in den letzten Jahren (Jahrzehnten, Jahrhunderten) deutlich gewandelt. Echte Wachhunde, Jagdhunde, Aufpasser oder Personenschützer sind heute kaum noch gefragt. Gefühlt ist jedes Bellen des Hundes unerwünscht. Ist ein Hund nicht zu jedem anderen Hund überfreundlich, wird er als unsozial und unerzogen abgestempelt. Das bekomme ich mit Balou jeden Tag durch die Blicke eines manchen Hundehalters oder Menschen mitgeteilt. Der Wunsch nach einem ständigen Begleiter, der in jeder Situation brav und ruhig ist, ist größer denn je. Dieses Idealbild scheint sich stetig von dem echten hundlichen Verhalten zu entfernen.

Die Hunde in diesem Bild lassen nach dem heftigen Protest des blonden Hundes ab. Hier war ein Eingreifen des Menschen nicht nötig.

Der Hund ist heute überwiegend Sozialpartner und kaum noch Arbeitstier. Das ist erst einmal auch gar nicht schlimm. Doch wir dürfen die Natur des Hundes trotz aller widernatürlicher Domestikation nicht aus den Augen verlieren. Bellen, Knurren, Beißen. Eigentlich alles ganz normal.

Jeder Hund ist aggressiv – aus gutem Grund

Alle Hunde kommunizieren aggressiv. Und die Evolution hat sich etwas bei dieser Kommunikationsform gedacht. Gut sozialisierte Hunde tragen Konflikte bis zu einer bestimmten Intensität stets unblutig aus. Zu groß wäre die Gefahr, bei einer Verletzungsintention des eigenen Angriffes selbst verletzt zu werden. Früher – im langen Zeitraum der Entwicklung der hundlichen Kommunikation – gab es keine Tierärzte und -Kliniken, welche die Wunden der Hunde versorgt hätten.

Schnell wird aus einer unsauberen Wunde eine Infektion und ein echter Nachteil im täglichen Kampf um Fortpflanzung und Überleben. Zur aggressiven Kommunikation zählen hier eben auch das Fixieren, Knurren oder das Bellen. Aussagen wie “der ist aggressiv” sind per se also eher unzutreffend, möchte ich das Verhalten eines Hundes gegenüber das eines anderen abgrenzen. Besser wären aussagen wie: “Der Hund reagiert aber unangemessen” oder “Die Intensität, mit welcher der Hund hier agiert, ist nicht verhältnismäßig”. Diese Sätze spiegeln die Intention der meisten Menschen, die das Wort “aggressiv” benutzen vermutlich deutlich besser wieder.

Wann ist ein Hund also unsozial und muss reoszialisiert werden?

Für mich sind Hunde dann unsozial, wenn sie nicht verhältnismäßig reagieren. Verhältnismäßigkeit ist natürlich eine etwas subjektive Kennzahl, die immer situativ zu bewerten ist. Man erkennt schnell, dass man hier, wie so oft, nicht pauschalisieren kann, sondern es sich stets um eine Einzelfallentscheidung handelt. Ein Beispiel: Als Balou vor einigen Jahren noch fremde Menschen angegriffen hat, weil er Angst vor ihnen hatte, war das sicherlich nicht verhältnismäßig. Bellt er heute fremde Menschen an, weil er Angst vor ihnen hat, ist es das sehr wohl. Das Bellen gehört in den Verhaltensapparat der Hunde und sollte bei der Arbeit mit Hunden niemals unterdrückt werden.

Wie funktioniert Resozialisierung?

Resozialisierung bedeutet, den Hund “wieder (“re”) gesellschaftsfähig machen”. In der Hundewelt wird dies meist auf sogenannte Problemhunde oder als “übersteigert aggressiv” geltende Hunde beschränkt. Doch im Grunde genommen sind auch unkontrolliert jagende Hunde oder vor Angst panisch flüchtende Hunde nicht gesellschaftsfähig. Denn: In diesen Situationen entwickeln die Hunde einen echten Tunnelblick, und nicht selten finden sich die Vierbeiner auf der ein oder anderen Straße wieder, wo natürlich schnell Unfälle mit Tier- Blech oder Personenschaden auftreten können.

Aber auch ich möchte mich überwiegend auf die “aggressiven Problemfälle” konzentrieren, zumindest im Rahmen dieses Beitrages hier. In Behörden werden auffällige Hunde oft als “übersteigert aggressiv” bezeichnet. Das erste Problem, auf das wir treffen, ist auch hier ein Definitionsproblem. Nirgends ist festgehalten oder definiert, “wie” aggressiv ein Hund sein darf. Wie viel Bellen und Beißen ist “normal”, was ist “übersteigert”? Keine Ahnung. Ich sagte bereits, dass es aus meiner Sicht immer eine Einzelfallbetrachtung der Situation ist.

Gehen wir davon aus, dass ein Hund andere Hunde oder Menschen angreift. Dies ist aus meiner Erfahrung das häufigste “Problemverhalten” von Hunden, bzw. Hund-Mensch Teams, die sich an einen Hundetrainer wenden. Meist sind es eher harmlose Pöbeleien an der Leine, die maximal die Intensität von Scheinangriffen erreichen. Doch in seltenen Fällen drehen die Schaltkreise der Vierbeiner komplett durch und es liegen echte Tötungsintentionen und Tendenzen zu ungehemmten Angriffen vor. In jedem Fall gilt für mich: Symptome bekämpfen hilft langfristig nicht. Ich muss die Ursachen für ein Verhalten finden und beseitigen, um langfristig Erfolg zu haben.

Dazu brauche ich natürlich die maximale Information über einen Hund und das Mensch-Hund Team. Wann wurde der Hund geboren, wie wurde der Hund geboren, aufgezogen und wie lange ist der Hund schon in der Familie? Was bekommt der Hund zu fressen, wie sieht der Alltag aus? Wie und wann sind die Probleme zum ersten mal aufgetreten und wie haben sie sich intensiviert? Wie haben Halter und Hund sich dann in der Situation verhalten? Gibt es Erkrankungen oder Verletzungen des Hundes oder hat der Hund evtl. mal schlechte (oder gar keine ) Erfahrungen gemacht? Sicher gibt es noch unzählige weitere Fragen, die wichtig für eine umfassende Anamnese nötig sind.

Jeder Hund ist ein Unikat – Und jedes Mensch-Hund Team verdient es, individuell beraten zu werden

Habe ich alle Informationen zusammen, und ist eine medizinische Ursache für ein Problem ausgeschlossen, kann ich mir besagte Situation anschauen und das Problem analysieren. Ziel der Analyse ist dabei, eine oder mehrere Ursachen für das (vermeintliche) Fehlverhalten des Hundes zu finden.

Beispiel Angst und Überforderung – die häufigste Ursache für sogenannte Problemhunde

Ich habe täglich mit Kunden zu tun, die mit ihren “Problemhunden” an mich herantreten. Dabei stelle ich fest, dass sich das Verhalten der Hunde häufig durch ähnliche Ursachen entwickelt und in immergleichen Mustern auftritt. Ein Schlüsselpunkt dabei: Die Mensch – Hund Beziehung.

Es tut mir Leid, aber hier muss ich nochmal ein wenig ausholen. Hunde sind soziale Tiere und leben mit uns Menschen in sozialen Gruppen. Die wenigsten Hunde sind jedoch derart selbstbewusst, dass sie problemfrei die Führung einer Gruppe in der heutigen Gesellschaft übernehmen können. Dafür liegen die Gründe nicht nur in der Natur des Hundes, sondern vor allen Dingen in der (Früh-) Entwicklung der Tiere. Viele Hunde kommen heute aus dem Ausland, wo sie ihre Kindheit und Jugend auf “der Straße” oder in Sheltern verbracht haben. Reizarme Aufzucht, (Früh-) Kastration und soziale Isolation in “Einzelhaft” sorgen für massenweise unsichere Hunde, die nach einer Einfangaktion in das hochindustrialisierte Deutschland gebracht werden.

Oftmals wird diese Aktion als “Rettung” bezeichnet. (Ein kleiner Seitenhieb gegen den Auslandstierschutz. Es spränge aber den Rahmen, dieses Thema hier ausführlich zu diskutieren).

Es ist jedenfalls nicht verwunderlich, dass heute viele Hunde tendenziell eher unsichere Vertreter ihrer Zunft sind. Was benötigen unsichere Hunde? Richtig: Führung, Anleitung und dadurch folgend Sicherheit. Oftmals mangelt es bei Hundebesitzern aber genau an dieser Stelle. Die Folge: Der Hund übernimmt selbst die Verantwortung und zeigt sich recht schnell überfordert mit der Führungsrolle. Er sucht sein Heil in aggressivem Verhalten. Denn: Der Hund ist nicht blöd und lernt in den meisten Situationen nach einem ganz einfachen Schema: Aus den unmittelbaren Folgen seines Handelns. Sprich:

“ich verhalte mich so (Verhalten A) und das (Reaktion A) passiert”. 

Geht ein Hund seinem genetisch einprogrammierten Verhalten nach und bellt das Unheimliche (z.B. einen fremden Menschen) an, und nimmt dieser daraufhin Abstand, lernt der Hund: Bellen führt zu einer positiven Lösung (für den Hund) der Situation. Super! In der nächsten ähnlichen Situation wird der Hund mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zu diesem Verhalten greifen, um die Situation zu lösen. Ein “Problemhund” ist geboren.

Der Resozialisierungsprozess

Wie arbeiten wir nun an einem solchen Problem, um es langfristig und sicher zu beheben? In der Theorie scheint dies einfach. Ich eliminiere die Ursache, dann tritt das Problem nicht mehr auf. Ganz so einfach ist es in der Praxis leider nicht. Eine Option wäre die Isolation von Stressoren, die aber eher selten praktikabel ist. Lebe ich nicht irgendwo in der Pampa, kann ich mich selten von allen den Hund stressenden Einflussfaktoren isolieren.

Besser ist es, die Mensch-Hund Beziehung zu optimieren, also eine essentielle Basis für ein erfolgreiches und stressfreies Miteinander zu bilden. Danach kann ich anfangen, den Hund mit der Situation zu konfrontieren. Wichtig ist hierbei, dass wir stets mit moderatem Stress arbeiten. Was moderater Stress ist, ist leider auch nicht pauschal zu beantworten, sondern situativ zu entscheiden. Wir müssen uns überlegen, welches Verhalten wir vom Hund wünschen, welches Verhalten also als “Zielverhalten” von uns definiert wird.

Langfristig das Selbstbewusstsein des Hundes stärken

Sicher und zuverlässig wird besagtes Problem sich nur lösen lassen, wenn der Hund selbstbewusst durch die Begegnung mit einem Stressor kommt. Helfen kann hier, wenn der Hund seinem Menschen vertrauen lernt, was natürlich voraussetzt, dass wir die Bedürfnisse und das Ausdrucksverhalten des Hundes kennen und Lösungen für den Hund präsentieren. Dabei darf der Hund gerne sein normales Ausdrucksverhalten, z.B. Bellen, zeigen. Erlaube ich z.B. dem Hund fremde Menschen anzubellen und mir somit zu signalisieren, dass dort eine Situation ist, in der sich der Hund unwohl fühlt, kann dies langfristig sein Selbstbewusstsein steigern. Der Hund weiß dann: Zur Not kann ich Bescheid geben, dass ich mich unwohl fühle und Herrchen / Frauchen werden dann eine Lösung für mich finden. Natürlich gehen wir auch hier nach der bekannten Philosophie “gewolltes Verhalten verstärken, ungewolltes Verhalten sanktionieren” vor. Wie gesagt, sollten wir das ungewollte Verhalten jedoch nicht um Dinge wie Bellen erweitern, wenn der Hund Angst hat. In der Theorie stellt sich das Bellen ab, wenn der Hund auch keine Angst mehr hat.

Konkrete Erfolgsgeschichten, Bilder und Videos, Anekdoten und Tipps bekommen Sie in meinen Vorträgen bei der Paracelsus Heilpraktikerschule in Aachen, Dortmund, Düsseldorf und Koblenz.

Foto: Nadine Golomb – Nadisign