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Theoretische Grundlagen des Hundetrainings – Lernen

In meinem Berufsalltag als Hundetrainer in Wuppertal habe ich mit verschiedensten Hunden, Menschen und Problemen im Zusammenleben zwischen Mensch und Hund zu tun. Von unsicheren Hunden, die aus Überforderung anfangen zu pöbeln, über Eigenarten, die sich entwickeln und die Hundehalter in zur Verzweiflung bringen bis hin zu dickköpfigen Hunden, welche die Nerven der Menschen auf die Probe stellen, ist alles mit dabei. Egal welche Probleme die Menschen auch haben mögen, eines haben sie alle gemeinsam. Sie müssen sich mit den Grundlagen des hundlichen Lernverhaltens auseinandersetzen, um zu verstehen, wie das ungewollte Verhalten entstanden ist, und wie wir das Verhalten in eine andere Richtung drehen können.

Wie lernt der Hund?

Hunde lernen vor allen Dingen aus den unmittelbaren Folgen ihrer Handlungen. Als Hundehalter muss ich mich in den Hund hineinversetzen und aus seiner Perspektive betrachten, was in einer bestimmten Situation passiert ist. Ein Beispiel:

Wir befinden uns auf dem Hundespaziergang. Unser Hund sieht einen anderen Hund, zu dem er gerne hingehen möchte. Er fängt an, an der Leine zu ziehen. Wir kennen den anderen Hund und wissen, dass die beiden Hunde sich verstehen. Deshalb gehen wir zusammen mit unserem Hund in die Richtung des anderen Hundes, der stehengeblieben ist, weil sein Hund ebenfalls in die Richtung unseres Hundes zieht. Am Ende haben die beiden Hunde Sozialkontakt. Sie haben ihr Ziel erreicht, indem beide an der Leine gezogen haben und die Richtung vorgegeben haben. Der Lernvorgang beim Hund könnte so aussehen:

Ich möchte zu dem anderen Hund -> Letzte Mal habe ich mein Ziel erreicht, indem ich an der Leine gezogen habe, Herrchen/Frauchen ist dann mitgekommen -> Diese Taktik werde ich wieder versuchen, weil sie erfolgreich war.

An der Leine sollte der Hund nicht ziehen.

Der Hund hat Ziele / eine Motivation

Und genau darum geht es. Der Hund darf gerne Erfolgreich sein. Er darf seine Ziele erreichen und seine Bedürfnisse befriedigen, solange sie unser Zusammenleben oder das Leben anderer nicht belasten. Wir müssen uns die Motivation bzw. das Ziel des Hundes zu Nutze machen, um das Verhalten des Hundes in gewünschte Bahnen zu lenken. Zurück zu unserem “Der Hund will zu einem anderen Hund” – Szenario:

Das Ziel unseres Hundes ist der Sozialkontakt zu einem anderen Hund. Er darf es erreichen, wenn er sich an unsere Regel “An der Leine wird nicht gezogen” hält. Konkret bedeutet das, dass ich nur weiter auf den Hund zugehen sollte, wenn der Hund an lockerer Leine läuft. Führt das Ziehen nämlich nicht zu dem gewünschten Ziel des Hundes, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dieses Verhalten erneut zu zeigen. In der Theorie bedeutet das: Lasse ich den Hund konsequent nicht zum Erfolg kommen, wenn er an der Leine zieht, wird er stets an lockerer Leine laufen.

Als Belohnung für gute Leinenführigkeit, bekommt der Hund Sozialkontakt

Dabei greife ich äußerst selten auf Futter als Belohnung zurück. Futter ist eine von außen hinzugefügte Belohnung und ist selten so wirksam, wie die eigentliche, innere Motivation des Hundes.

Natürlich gibt es noch viele weitere Dinge beim Lernverhalten des Hundes zu beachten, doch meiner Meinung nach ist die Arbeit mit der inneren Motivation des Hundes und die Betrachtung der Situation aus den Augen des Hundes heraus ein wesentlicher Erfolgsfaktor für langfristig erfolgreiches Training mit dem Hund.

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