Allgemein

Gesundheit und Verhaltensänderungen

Gesundheit und Verhalten

Chiko ist eine siebenjährige Rottweilerdame, die seit einigen Monaten erhebliche Aggressionen gegenüber fremden Menschen zeigt. Noch vor Jahren hat sie den Wesenstest, eine Leinen- und eine Maulkorbbefreiung, anstandslos bestanden. Laut Aussage der Besitzerin ist nicht vorgefallen, was wir als einschneidenes Erlebnis einordnen können. „Hat Ihr Hund etwas schlechtes erlebt?“ ist schließlich die erste Frage, mit der Hundebesitzer konfrontiert werden, wenn sie einen bellenden Hund an der Leine haben. In der Tat gilt auch für mich als Verhaltensberater möglichst viel über die Entwicklungsgeschichte des Hundes zu erfahren.

Hundeschule Wuppertal - Rottweiler.JPEG
Rottweiler sind besonders häufig von der Schilddrüsenunterfunktion betroffen

Doch Chikos Geschichte beinhaltet keine traumatisierenden Ereignisse, die ihre plötzliche Wesensveränderung erklären würden. Deswegen frage ich meine Kundin, ob Chiko gesundheitliche Probleme hat. Wie sich herausstellt, ist ihre Krankenakte gut gefüllt. Als Welpe werden ihr Tumore in der Gesäugeleiste entfernt. Sie wird frühkastriert. Ein Kreuzbandriss legt die Hündin lahm, als sie ein Jahr alt ist. Mittlerweile leidet Chiko ebenfalls an einem grünen Star und hat mit starkem Übergewicht zu kämpfen.

Das Anamnesegespräch zeigt: Chikos Wesensveränderung könnte in ihrem physischen Zustand begründet liegen. Gerade der grüne Star und eine damit einhergehende Beeinträchtigung der Sehfähigkeit kann einen Hund verunsichern und/oder zu Verhaltensänderungen führen. Natürlich könnte ebenso eine andere Krankheit oder Schmerzen ursächlich für Chikos Verhalten sein. Grundsätzlich gilt: Medizinische Gründe sollten zuerst ausgeschlossen werden, bevor wir mit dem Mensch-Hund-Training beginnen.

Ist es die Schilddrüse?

Der Rottweiler steht auf der Liste der Hunderassen, die besonders häufig von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) betroffen sind. Das starke Übergewicht könnte ein Indiz dafür sein.
Die Schilddrüse ist ein hormonproduzierendes Organ im Halsbereich des Hundes. Es produziert die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin).

Diese Schilddrüsenhormone sind für die Regelung des Eiweiß-, Fett- und Zuckerstoffwechsels zuständig und nehmen somit eine zentrale Rolle für die Funktionstüchtigkeit vieler Organe ein. Neben den rein körperlichen Auswirkungen kann die Hypothyreose auch das Verhalten der Vierbeiner beeinflussen. Neben plötzlichen Aggressionen und unwillkürlich erscheinenden Wutausbrüchen, sind auch Depressionen und übersteigerte Angst als Begleitsymptome zu beobachten.

Wenn Ihr Hund also sein Verhalten verändert, und Ihnen kein besonderes Ereignis präsent ist, was diese Veränderung begründen könnte, lassen Sie Ihren Hund vor Trainingsbeginn auf jeden Fall durch einen sachkundigen Tierarzt/ eine Tierärztin durchchecken.

Ein umfangreicherer Artikel über die Schilddrüse findet ihr HIER

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.