Die Orientierung am Zweithund

Louie ist jetzt gut 4 Monate unser Zweithund. Zur Erinnerung: Louie ist unser jetzt 6 Monate alter Mischling aus Deutsch-Drahthaar und Appenzeller Sennenhund. Vorher gab es bei uns schon Balou, den jetzt 5 jährigen Schäferhund – Boxer Mischling. Balou hat so einige Macken. Durch Frühkastration, Deprivationsschäden und falschem Training auf dem Hoch seiner Aggressionen, kann man ihn durchaus als gefährlich und verkorkst bezeichnen.

Für mich stand deshalb eigentlich immer fest: Ein neuer Hund kommt erst ins Haus, wenn Balou tot ist. Ich wollte nicht, dass sich ein junger Hund “Dummheiten” bei Balou abschaut.

Balou und Louie
Balou und Louie

Nach vier Monaten mit Zweithund ist es Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen. Welche Verhaltensweisen hat Louie übernommen? Wann orientiert er sich an Balou, wann macht er sein eigenes Ding, und wie sieht die Beziehung zwischen den beiden aus? Hier gibt es Antworten.

Schlechte Verhaltensweisen

Ungewollte Verhaltensweisen sind bei Louie eher weniger zu finden. Er hat schon zwei, drei Haushaltsgegenstände kaputtgebissen als ich nicht wachsam war, aber das läuft noch unter dem Motto Kollateralschaden im Leben eines Junghundes. Louie bellt viel andere Hunde an, aber nu im Spiel, oder wenn diese weglaufen. Hier erkennt man wunderbar die Abstammung vom Appenzeller Sennenhund, der seinerzeit für die Behütung von Vieh gezüchtet wurde. Auffällig ist dabei auch sein Griff in die Beine mit seinem Maul.

Zeigt sich Balou mal ängstlich oder nervös, bellt er ungerichtet in die Welt hinein oder hat er einen Hasen/Reh/Vogel gesehen, dem er hinterherjagen will, ist er natürlich in gewisser Weise erregt. Louie lässt sich von dieser Erregung kein Stück beeinflussen. Manchmal schaut er etwas verwirrt, wieso er auf einmal links liegen gelassen wird, wo doch gerade noch ausgelassen gespielt wurde. Den Blick für das Weite, oder die Empathie, sich in Balou hineinzuversetzen, fehlt dem Hund (noch). Glück gehabt. Jagderregung oder Erregung allgemein ist hoch ansteckend. Nahezu jeder Mehrhundebesitzer kann davon ein Lied singen. Ein Hund alleine brav, fängt dann aber mal ein anderer an zu bellen, steigen gleich alle mit ein.

Gewollte Verhaltensweisen

Anders sieht es aus, wenn ich mal etwas strenger Rede, Grenzen setze oder die Hunde anraunze, weil ich gerade keine Lust auf sie habe, sie mir aber den Kopf auf den Schoß legen, weil sie doch sooooo hungrig sind. Hier hat Louie sich von Anfang an Balou angeschlossen. Er schaut, was der Große macht, wann der Ärger für ihn aufhört und macht ihm das nach. Da Balou abgesehen von seiner Angst vor allem Möglichen, ein fantastische(r) (erzogener) Hund ist, gefällt es mir natürlich sehr gut, Louie in seine Fußtapsen treten zu sehen. Ins solchen Situationen ist Balou der vorhandene, souveräne Hund, an dem er sich als Zweithund orientieren kann.

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Ob es der Befehl draußen “hinter mir” ist, bei dem die Hunde so lange hinter mir gehen sollen, bis ich die Grenze wieder aufhebe, oder die Hunde sich auf die Decke legen sollen. Louie folgt und beobachtet. Er zieht Schlüsse und überträgt die Lösungen auch auf Situationen, in denen Balou nicht anwesend ist. Super, so macht das Spaß.

Balou und Louie – Liebe – Zweck – Was eigentlich?

Es geht mir das Herz auf, wenn ich die beiden zusammen sehe. Balou ist ein Hund, der eher weniger gute Beziehungen zu anderen Hunden pflegt. Viele Hunde, bei denen er Nähe zulässt, gibt es nicht. Da wären die Hunde meiner Familie, bei denen er entweder noch den unnahbaren Hund gibt, oder sich demütig wegdreht. So richtig eng ist er eigentlich nur mit Rocky aus dem schönen, aber leider so fernen Schloß Holte. Mit Akuma ist er gezwungener Maßen zwar eng, es gibt aber keine echte Geschwisterliebe zwischen ihnen, weil Akuma so richtige Nähe, Körperkontakt beim Liegen etc. nicht zulässt.

Die beiden Vierbeiner in Schweden
Die beiden Vierbeiner in Schweden

Louie ist da anders. Es wäre allerdings auch falsch zu sagen, dass Balou unbedingt Nähe möchte. Louie ist hier deutlich der aktive Part. Von Anfang an lag er ständig mehr auf, als neben seinem großen Bruder. Dieser ließ, für mich überraschend, wirklich ALLES zu. Geduldig ohne Ende. Natürlich hat er sich noch alle Rechte gesichert, bettelt immer eine halbe Körperlänge vor Louie, wenn es wirklich etwas wichtiges gibt, kuscht Louie ohne mit der Wimper zu zucken. Dennoch, Balou genießt die Anwesenheit des Zweithundes.

Obwohl er nämlich sehr eigen ist, spielt er für sein Leben gerne mit anderen Hunden. Nach und nach wurde er weich und nun kann ich das tägliche Zusammenspiel der beiden beobachten. Dabei entstehen auch Bande zwischen den Vierbeinern, genauso wie bei uns Menschen.

Insgesamt haben sie eine tolle Beziehung. Beide Seiten gewinnen, ohne nennenswerte Verluste hinnehmen zu müssen. So habe ich es mir mit Zweithund erträumt, aber nicht unbedingt erwartet.

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