Hund eingeschläfert – ohne Gutachten

Der böse Wolf 

Vor gut 2 Wochen erhielt ich eine Nachricht, dass ein Hund einer Kundin* Aggressionsprobleme hätte. Ich bat natürlich meine Hilfe an. Der Hund würde den Mann in der Familie attackieren und beißen wollen, ohne ersichtlichen Grund.

Die finanzielle Situation der Kundin ergab, dass das Training in den September verlegt werden sollte, weil ein Umzug anstand. Eine Woche später, ich fragte nach, wie sich das Problem entwickele, sei es schlimmer denn je. Der Hund würde den Mann quasi gar nicht mehr akzeptieren, ihn immer wieder anfallen.

Ich sagte, dann sei nun jeder Tag, den das Training eher startet, ein wichtiger Tag. Ich bot an, die Rechnung erstmal zu verschieben oder sich auf Ratenzahlung zu einigen. Eine halbe Woche später war der Hund tot.

Was war passiert?

Der Hund hatte am Wochenende den Mann gebissen, versuchte auch die Besitzerin zu beißen und sollte im Tierheim landen. Dies verweigerte jedoch die Annahme unter der Aussage, es sei für das Tierheimpersonal zu gefährlich und im Grunde sei die Tierschutzorganisation, über die der Hund ursprünglich aus Rumänien nach Deutschland gekommen ist, zuständig. Weiterhin sagte das Tierheim, dass evtl. auch ein Wolf in den Hund eingekreuzt sei, und dieser ein anderes Wesen als ein Hund hätte und nicht zu zähmen sei.

Hundeschule Bielefeld

Eine kurze Zeit und ein Telefonat mit einem Tierarzt später, schlief der Hund ein und war tot. Ohne Gutachten, ohne den Rat eines Sachkundigen, einfach so. Ich erhielt die Nachricht am kommenden Morgen und war sofort ergriffen von der Situation. Ich hatte doch meine Hilfe angeboten, ich habe Erfahrung und ein Faible für schwierige Hunde. Gab es hier wirklich keine andere Möglichkeit?

Ich holte mir ein Statement vom Tierheim und vom Tierarzt ab. Ich wollte wissen, wieso der Hund so schnell eingeschläfert wurde.

Das Tierheim

Im Tierheim erhielt ich die Auskunft, dass niemals dazu geraten würde, einen Hund einzuschläfern, es werde lediglich ein Denkanstoß in diese Richtung gegeben aber die Entscheidung bliebe allein beim Halter. Die Entscheidung sei vom Halter getroffen und das Tierheim hatte lediglich aufgezeigt, dass für diesen Hund keinerlei Vermittlungschance bestünde und dieser keine Lebensqualität im Tierheim hätte.

Der Tierarzt

Hier war der Hund nicht bekannt. Die Tierärztin** versicherte mir, niemals Hunde ohne triftigen Grund einzuschläfern. Deshalb gab es auch eine Rücksprache mit dem Tierheim, welches das Tier einschätzte.

Hier liegt jedoch meiner Meinung nach ein Fehlverhalten vor. Das Tierheim gab mir die Auskunft, den Hund natürlich in einer so kurzen Zeit nicht richtig einschätzen zu können. Die Tierärztin sagte mir, sie habe sich auf die Einschätzung des Tierheims verlassen. Offene Fragen bleiben, wieso es kein vernünftiges Gutachten gab, wieso die Familie des Hundes nicht genauer befragt und unter die Lupe genommen wurde. Ein Sachkundenachweis der Halterin gibt es nicht, was allerdings niemand überprüfte.

Die Moral der Geschicht

Als Folge dieser mehr als unglücklichen Situation habe ich mich als Trainer beim Tierarzt angeboten, mir solche Fälle erst einmal anzuschauen, bevor nochmal ein bissiger Hund vorschnell eingeschläfert wird. Eine Vermittlungsstelle, die sich solcher Fälle annimmt, sollte geschaffen oder gefunden werden. Das Tierheim und/oder die Tierärztin hätten überprüfen müssen, warum der Hund beißt, bevor er eingeschläfert wird. Der Hund war rein medizinisch gesehen gesund. Er hätte sich in einem anderen Umfeld sicher anders verhalten und mit einer Resozialisierung hätte man dem Hund noch ein tolles Leben schenken können. Natürlich muss sich auch die Tierschutzorganisation Kritik gefallen lassen. Es gab scheinbar keine echten Nachkontrollen und eine nötige Sachkunde wurde offenbar nicht überprüft.

 

 

*ich nenne keine Namen, keinen Ort, keine Beteiligten

** Ohne Bezug auf den TA zu nehmen, schreibe ich im Folgenden von der Tierärztin

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