Wie ich die Aufregung meines Hundes in den Griff bekomme

Trainingstipp: Aufregung vor dem Spaziergang

Louies Ohren stellen sich auf, seine Augen weiten sich und er setzt sich auf. Sofort fängt er an zu zittern und zu janken. Ein Bellen kommt unkontrolliert aus ihm heraus und er läuft hektisch zur Wohnungstür, wobei er zu schnell um die Ecke läuft, ausrutscht und laut polternd gegen die Badezimmertür knallt.

Was dieses Verhalten bei ihm ausgelöst hat? Ich habe meine Pantoffel gegen Schuhe getauscht. Ein klares Zeichen: Es geht ab nach draußen. Nicht jedes Mal, wenn ich die Wohnung verlasse, kommt Louie mit. Dennoch ist er mittlerweile nervös und aufgeregt, sobald er nur den Eindruck hat, es könnte nach draußen gehen.

In meinem Privatleben bin ich auch Hundehalter, habe dementsprechend dieselben Probleme wie du. Ich habe schon früh bemerkt, dass sich das oben beschriebene Verhalten bei Louie zur Gewohnheit entwickelt hat, dagegen getan habe ich allerdings nichts. Faulheit ist vermutlich der hier zu nennende Grund. Oder ich wollte für euch einen Trainingstipp schreiben, und meine eigenen Tipps verifizieren. Natürlich nicht. Ich habe einfach verpasst, von vornherein das Verhalten in von mir gewünschte Bahnen zu lenken. Nun sehe ich mich mit dem einjährigen Jagdhundemischling konfrontiert, der in Sekundenbruchteilen maximal aufgeregt wird. Glücklicherweise weiß ich, wie man diesem Verhalten entgegenwirken kann.

Wieso ist der Hund aufgeregt?

Wie bei allen Verhaltensweisen des Hundes, die ich verändern möchte, frage ich mich hier zuerst nach dem Grund für Louies Verhalten. Das Bellen, das Quieken und das Zittern sind allesamt Ausdruck von heftiger Erregung/Aufregung. Da wir dazu neigen, alles zu vermenschlichen, was die Hunde fühlen, könnte man es hier am ehesten mit Vorfreude gleichsetzen. Sicher haben wir uns alle als Kind (oder auch als Erwachsener) schonmal so sehr auf etwas gefreut, dass wir es fast nicht mehr ausgehalten haben. So ergeht es Louie in dieser Situation.

Hat der Hund also auf den Spaziergängen zu viel Spaß? Sollte der Spaziergang für ihn weniger erfreulich sein? Natürlich nicht! Das wäre wohl der unsinnigste Schluss, den man aus Louies Verhalten ziehen kann. An sich ist es ein gutes Zeichen, dass der Hund sich freut, mit mir rauszukommen. Die wichtigste Frage ist für mich in diesem Zusammenhang aber:

Wie kann ich Louies Verhalten beeinflussen?

Verhalten von Hunden kann auf verschiedene Weisen beeinflusst werden. Hunde lernen vor allen Dingen aus den unmittelbaren Folgen ihres Handelns. Vereinfacht gesagt: Was habe ich gerade gemacht, und was passierte daraufhin bzw. welche Folgen hatte mein Verhalten. Schauen wir uns die Grundprinzipien hundlichen Lernens an:

Positive Reize:

Durch die Arbeit mit positiven Reizen kann ich ein Verhalten verstärken, also dafür sorgen, dass es tendenziell häufiger gezeigt wird. Ebenso kann ich aber auch durch die Wegnahme eines positiven Reizes die Wahrscheinlichkeit für das Zeigen einer Verhaltensweise verringern.

Verhalten -> Es folgt ein positiver Reiz -> Verhalten wird häufiger gezeigt

Verhalten -> Ein positiver Reiz wird weggenommen oder bleibt aus -> Verhalten wird weniger gezeigt

Welche Form der positive Reiz annimmt, sollte immer von verschiedensten Faktoren abhängen. So sollte der Charakter des Hundes, die Mensch-Hund Beziehung, die Rasse des Hundes, das Alter des Hundes, der situative Kontext und der Trainingsstand des Hundes mit in die Entscheidung über den richtigen positiven Reiz mit einbezogen werden. Denke ich mich in mein Szenario von Beginn ein, dass ich die Wohnung verlassen möchte, ist ein Leckerchen sicher kein adäquater Ersatz für das Mitkommen auf den Spaziergang.

Natürlich können wir auch mit negativen Reizen das Verhalten von Hunden beeinflussen. Die Grundprinzipien sind ähnlich:

Verhalten -> Es folgt ein negativer Reiz -> Verhalten wird weniger gezeigt

Verhalten -> Ein negativer Reiz wird weggenommen -> Verhalten wird häufiger gezeigt.

Studien zeigen, dass die Lernleistung unter Druck und mit negativen Reizen weitaus schlechter ist, als bei der Arbeit mit positiven Reizen. Dennoch kann man nicht gänzlich auf negative Reize verzichten. So drohen wir unseren Hunden des Öfteren mit negativen Reizen – auch, wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind. Ein einfaches Beispiel sollte dies verdeutlichen:

Ich habe meinen Hund auf seine Decke geschickt. Ohne von mir eine Freigabe bekommen zu haben, steht der Hund auf und verlässt seine Decke. Ich stehe auf, sage „Nein“ und gehe auf meinen Hund zu oder schaue ihn an. Allein dieser Blickkontakt und mein Aufstehen sind schon eine moderate Form von Bedrohung für den Hund. Diese Maßnahmen sind nötig, um den Hund korrekt zu führen.

Aber zurück zu unserem Problem mit Louie. In dieser Situation verzichten wir auf negative Reize, denn die beste Art, Louies Verhalten zu verändern, ist die positive Bestätigung, wenn er das von mir gewünschte Verhalten zeigt.

Louie zeigt ungewünschtes Verhalten -> positiver Reiz bleibt aus = Louie kommt nicht raus

Louie zeigt gewünschtes Verhalten -> positiver Reiz wird hinzugefügt = Louie kommt mit auf den Spaziergang

Dabei bedienen wir uns des sogenannten Shapings, also dem sukzessiven in Form bringen einer bestimmten Verhaltensweise. Jetzt wird es ein bisschen theoretisch:

Beim Shaping akzeptieren wir (zunächst) auch Verhaltensweisen, die noch nicht der Zielvorstellung, also dem gewünschten Verhalten, entsprechen. Nach und nach werden wir jedoch anspruchsvoller bzw. nähern sich die Kriterien, die für eine Belohnung ausreichen, dem gewünschten Zielverhalten an.

Übertragen auf unser Beispiel bedeutet das: Immer, wenn Louie zu aufgeregt ist, setze ich mich wieder hin oder warte, bis der Hund sich beruhigt hat. Anfangs kann ich mit kleinen Erfolgen zufrieden sein und jegliche Veränderung seines Verhaltens in die richtige Richtung belohnen. Das kann zum Beispiel das kurze Aussetzen des Jankens sein. Kann ich nach wenigen Tagen zufrieden sein, wenn der Hund schnell aufhört zu bellen und zu janken, belohne ich später nur noch, wenn Louie von Vornherein ruhig und entspannt bleibt.

Für mich gibt es jetzt keine Ausrede mehr, nicht auch selbst mit dem Training anzufangen. Langfristig wäre es für Louie nämlich keine Vorfreude mehr, sondern unnötiger Stress, den ich mit den vorgestellten Trainingstipps ab jetzt vermeiden kann. Außerdem freue ich mich schon jetzt auf einen entspannten Hund, wenn ich meine Pantoffel wieder gegen die Schuhe tausche.

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