Der unsichere Hund – Erkennen, interpretieren und reagieren

Der unsichere Hund – Ausdrucksverhalten erkennen und richtig handeln

Nächste Woche ist es soweit – ich komme für einen ersten interessanten Vortrag in die Praxis von Janine Gaber, Tierheilpraktikerin aus Herten, Recklinghausen. Im Vortrag geht es vor allem um das Ausdrucksverhalten des unsicheren Hundes. Dabei ist erstmal nachrangig, wieso der Hund unsicher ist. Wichtig ist, das Verhalten erkennen zu können. Die nächsten Schritte sind dann die richtige Interpretation und letztlich eine vernünftige Schlussfolgerung, sprich eine Handlung unsererseits, die wir daraus ableiten.

Denn: Wir können unseren Vierbeinern gehörig unter die Pfoten greifen. Häufig sehnen sich unsichere Hunde nach Verständnis und Hilfe. Betrachtet man die Hund-Mensch Beziehung, sind wir eigentlich dazu verpflichtet, zu helfen. Als Autorität, als Tonangeber in einer Beziehung muss man eben auch Pflichten erfüllen. Hunde gehen Beziehungen, in denen sie nicht die erste Geige spielen, sprich auf Privilegien verzichten, nur ein, weil diese Beziehung anderen Nutzen, zum Beispiel Sicherheit und der Zugang zu Nahrung, generiert. Puuh. Langer Satz. In kurz: Will ich, dass mein Hund mir folgt, muss ich auch für Sicherheit sorgen.

Dabei ist Schritt 1, und eigentlich der wichtigste Schritt: Das subjektive Empfinden des Vierbeiners entscheidet darüber, ob der Hund in Sicherheit ist oder nicht. Mache ich z.B. die Haustüre auf, bellt mein Hund häufig zuerst. Er ist noch gar nicht draußen. Doch er möchte mit seinem Bellen schonmal alle potentiellen Gefahren vertreiben. Natürlich wurde er noch nie direkt an der Haustür von einem wildgewordenen Hund, einem blutrünstigen Fremden oder einem Vogelschwarm angegriffen. Rational ist die Angst nicht. Objektiv gesehen, besteht keinerlei Gefahr für den Hund. Doch wie gesagt, darum geht es gar nicht. Merke: Es ist wichtig, was der Hund fühlt, nicht was wir denken oder fühlen.

Schritt 2: Unsicherheiten interpretieren – wovor fürchtet sich mein Hund?

Habe ich erkannt, dass mein Hund sich unwohl fühlt, leicht verängstigt oder gar in Panik ist, habe ich nun die Frage nach dem „Warum“ zu lösen. Das ist oftmals gar nicht so einfach und eine meiner Hauptaufgaben als Verhaltensberater. Oftmals komme ich in Familien, in denen das Verhalten des Hundes missinterpretiert wurde. Zugegeben: Es ist nicht immer einfach das Verhalten der Vierbeiner zu deuten. Auch ich werde häufig gefragt „und wieso macht der DAS jetzt?“ Puh, keine Ahnung. Verhalten ist immer kontextspezifisch und hängt von den gemachten Erfahrungen oder Instinkten des Hundes ab. Nach ein paar Minuten jedes Verhalten interpretieren zu können – unmöglich.

Dennoch sollte ich den Hund einmal genau beobachten. Komme ich in eine Familie, stelle ich unter anderem folgende Fragen: Wann wird der Hund unsicher? Wie äußert sich diese Unsicherheit? Gibt es Parallelen zwischen den Situationen? Wann trat das Verhalten das erste mal auf? Ist es seitdem unverändert, oder hat sich das Verhalten verändert? Wurde der Hund medizinisch durchgecheckt? Wie lange bleibt der Hund unsicher? Wie reagieren Sie, wenn der Hund unsicher ist?

Dann schaue ich mir noch die Beziehung und das Zusammenleben zwischen Hund und Mensch an, lasse mir eine möglichst detaillierte Geschichte des Hundes geben. Dann kann man sich vielleicht ein grobes Bild über das Verhalten machen. Die richtige Interpretation ist ein Schlüsselpunkt im Hundetraining oder Verhaltensmanagement. Trainiere ich falsch, weil ich falsch interpretiert habe, kann dies schnell nach hinten losgehen. (Analysen Ihrer Hundebeziehung bei mir zu Ihrem Wunschpreis – Ab 0€ – Mehr dazu lesen Sie hier)

Schritt 3: Das Training mit dem unsicheren Hund

Nach der Interpretation muss ich die richtigen Schlüsse aus der Situation ziehen. Wie kann ich das Verhalten bzw. diese ganze Situation beeinflussen? Kann ich die Situation meiden? Ja? Kann eine Lösung sein. Kommt diese Situation aber häufiger vor, oder muss ich für das Meiden der Situation zu viele Einschnitte hinnehmen (Ich denke da zum Beispiel an manche Menschen, die nur nachts mit dem Hund gehen, weil der Hund Angst vor anderen Menschen hat), macht ein dauerhaftes Meiden keinen Sinn. Kann ich den Hund beeinflussen? Durch Training? Homöpatisch? Medikamentös? Eine Patentlösung gibt es natürlich nicht. Die Rahmenbedingungen, z.B. die Mensch-Hund Beziehung, sollten stimmen, damit das Training effektiv sein kann.

Dann steht einem effektiven Management des unsicheren Hundes fast nichts mehr im Wege. Sie müssen nur wollen, und bereit sein, ein bisschen Zeit zu investieren. ABER: Es lohnt sich. In den meisten Fällen lohnt es sich wirklich und es ist eine echte Herzenssache, unsicheren Hunden auf die Beine zu helfen.

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