Mein Hund hat Angst vor Menschen

Hilfe! Mein Hund hat Angst vor Menschen!

Ihr Hund hat Angst vor Menschen? Er bellt diese schon aus großer Entfernung an und Sie wissen nicht mehr weiter? Es folgt ein kleiner Überblick über die Situation und ein Lösungsansatz.

dsc09624

Es ist Freitagmorgen. Ich gehe mit meinem Hund spazieren und lobe ihn ausgiebig, als er eine Frau anbellt. Sichtlich verwirrt blicken ein paar Zuschauer drein, vermutlich fragen sie sich, wieso ich meinen Hund lobe, wo er doch offensichtlich falsches Verhalten zeigt. Bestimmt ist dieser junge Mann jemand, der seinen Hund wild machen möchte und ihn als Schutzhund benutzen oder für Hundekämpfe abrichten will.

Nein!

Das Problem ist ein ganz anderes. Balou, mein Boxer – Schäferhund Mischling, 5 Jahre, ist ein sehr unsicherer Hund. Geprägt durch seine Geschichte, wird er nie ein vollends souveränes Tier werden. Seine Unsicherheit im Umgang mit fremden Menschen sah früher so aus, dass er diese, je nach Erscheinungsbild, mit Scheinangriffen oder ungehemmten Attacken vertreiben wollte. An der Leine sieht das natürlich gefährlich aus, ohne Leine ist es das auch. Nun muss ich zugeben, dass ich damals hilflos überfordert war. Ich kannte dieses Verhalten von Hunden nicht und holte mir Hilfe. Was eigentlich helfen sollte, wurde nur noch schlimmer. Kein Hundetrainer konnte uns helfen. Im Gegenteil: Balou war mittlerweile richtig erregt, sobald er nur durch die Haustüre nach draußen ging. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Er bekam damals mächtig Ärger dafür, zu bellen und zu knurren. Doch dies war seine Lösungsstrategie für die brenzligen Situationen mit Menschen. Er stand also in einem bitteren Interessenkonflikt, etwas, das man durchaus als Zwickmühle beschreiben könnte.

Es braucht Zeit, Geduld und Vertrauen

Als ich mich dann selbst weiterbildete und nun Ahnung von Vierbeinern hatte, reflektierte ich meine Situation und versuchte, mir mich als Kunden vorzustellen. Ich erarbeitete ein Konzept, mit dem ich heute sehr erfolgreich genau solche Fälle wie Balou wieder aufrichte. Es geht dabei nicht um meine suuuuper Fähigkeiten, nicht ich bin der Star und biege alle Hunde wieder hin. An sich ist meine Leistung nur, zu erkennen, um welches Problem es sich handelt. Der Rest ist reine Logik.

Ich versuche immer langfristig zu denken und Probleme bei deren Ursachen zu packen. So sollten Hunde, die im Umgang mit etwas unsicher sind, selbstbewusster werden. Wie wird nun ein Hund, der auf 100 Meter alle Menschen anfällt, selbstsicherer? Wo fange ich an? Was ist dem Hund zuzumuten, was meiner Umwelt und mir?

Das ist eine schwierige Frage und muss für jedes Mensch-Hund Team neu beantwortet werden. Die Grundbausteine des Trainings sind aber immer die gleichen:

Der Hund muss lernen, dem Menschen zu vertrauen. Aber: Er muss auch selbst mehr Sicherheit bekommen. Für mich sieht bei Balou die Lösung so aus: Er meldet, wenn ihm etwas unangenehm ist. Da muss ich mich nicht schlecht fühlen, weil mein Hund bellt. Ja, ich bin Hundetrainer und mein Hund bellt. Ja wieso eigentlich auch nicht? Hunde bellen nun einmal. Von Natur aus. So meldet sich ein Hund. Und wenn man nur ein bisschen Ahnung von Hunden hat, hört man seine Unsicherheit sehr gut aus dem beinahe flehentlichen Bellen heraus.

Balou meldet sich also bei mir und ich bewerte dann die Situation. Kann ich ihn vielleicht auf meine andere Körperseite bringen und mich zwischen Ihn und die bedrohliche Person stellen? Gibt es vielleicht eine kleine Nische, wo wir kurz verschwinden können, bis die Situation vorbei ist? Über all dem steht aber sowieso erstmal eines: Verständnis! Solange mein Hund nicht angreift, sondern nur meldet, lobe ich ihn. Ich muss ihm zeigen, dass ich ihn verstehe, dass ich seine Situation begreife.

Ausweichen kann kurzfristig weiterhelfen

Wenn ich in einer schmalen Gasse bin, und mir kommt eine Person entgegen, die Balou gar nicht kann, dann kann es durchaus Sinn machen, umzudrehen und einen anderen Weg zu finden. Hat er beispielsweise kurz vorher eine andere Situation erlebt, die ihn aufregte, ist sein Körper noch auf Alarmbereitschaft geschaltet. Die Hormone sind noch im Blut und er wird auch bei dieser Person wieder anschlagen. Da kann es Sinn machen, einfach umzudrehen.

Langfristig gesehen, ist das dauerhafte Ausweichen und damit scheuen von Stresssituationen allerdings nicht empfehlenswert. Wir müssen versuchen, die Tiere gegen den Stress zu desensibilisieren. Dabei gilt es stets, mit moderatem Stress zu arbeiten. Dies ist natürlich schwer im echten leben, deshalb kann es durchaus Sinn machen, solche Übungen zu stellen und professionell begleiten zu lassen.

Fazit:

Wir müssen dem Hund einen Lösungsansatz präsentieren, der ihm zeigt, dass er hilft. Verfügt der Hund über so einen Rettungsanker, und weiß er, dass dieser auch hilft, wird sein Selbstbewusstsein langfristig steigen.

Haben Sie Fragen? Rufen Sie an oder schreiben Sie die Frage unten in die Kommentare.

Schreibe einen Kommentar