Über die Resozialisierung von Hunden

Am Sonntag halten wir einen Vortrag über unsere Arbeit in der Resozialisierung von Hunden auf der Messe Rund um den Hund von den Ruhrpottbullis in Duisburg.

Vorab haben wir den Vortrag, zugegeben, in abgespeckter Form, schonmal für euch niedergeschrieben. Natürlich sind Wortwahl und exakte Reihenfolge noch nicht 100% fix, aber ihr bekommt so einen guten Vorgeschmack, auf das was kommt.

Resozialisierung von Hunden – Vorgehen, Dauer, Rahmenbedingungen

Spricht man über die Resozialisierung, muss man natürlich erst einmal definieren, was das überhaupt bedeutet. Re – also wieder, und sozial, also gesellschaftsfähig, bilden das Wort, was damit so viel bedeutet wie: Den Hund wieder gesellschaftsfähig machen.

Hundeschule Recklinghausen

Dies impliziert, dass der Hund vor diesem Prozess nicht gesellschaftsfähig war. Hier treffen wir auf die nächste Frage: Was bedeutet denn eigentlich gesellschaftsfähig sein und was nicht?

Grob gesagt können wir festhalten, dass Hunde dann nicht gesellschaftsfähig sind, wenn sie eine Gefahr für dritte oder auch sich selbst sind. Dies kann dann der Fall sein, wenn der Hund sehr ängstlich ist, oder den Bezug zur Verhältnismäßigkeit seines Verhalten verloren oder gar nicht gelernt hat.

Weil wir noch nicht genug Fragen gestellt haben, stellen wir an dieser Stelle eine weitere: Welches Verhalten ist Verhältnismäßig? Die Antwort füllt ebenfalls einen ganzen Abendvortrag und wird hier mit einem einfachen „Das ist kontexspezifisch“ abgespeißt.

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Neben den Ausprägungen von unsozial sein sind für die Arbeit in der Resozialisierung von Hunden vor allem die Ursachen interessant. Stets geht es um die Ursachen und nicht um Oberflächlichkeiten. Zu den Ursachen können zählen:

  • Fehlende oder schlechte Erfahrungen
  • Unsicherheit
  • Schmerzen
  • neuronale Ursachen

Häufig tritt ein ungewolltes Verhalten erst in sehr abgeschwächter Form auf. Um zu verstehen, wie es von einem kleinen Bellen bei Unsicherheit zu einem Leinenaggressiven Hund kommt, müssen wir uns das Lernverhalten der Hunde genauer betrachten.

Da auch dies einen (oder mehrere) Abendvorträge füllt, springen wir hier weiter, nicht ohne das Lernverhalten (bzw. das hier relevante) der Hunde in einem Satz zu erklären:

Hunde lernen aus den unmittelbaren Konsequenzen aus ihrem Handeln

Hunde sind ganz pragmatisch und wägen ab, ob ein Verhalten zum Erfolg oder zu Misserfolg geführt hat. Bellt ein Hund einen Menschen an, weil er Angst vor ihm hat, weicht dieser Mensch dann zurück und macht einen Bogen um den Vierbeiner, wird dieser das Verhalten in einer ähnlichen Situation wieder zeigen. Es führte zum gewollten Erfolg. Ferner sinkt nun die Hemmschwelle, das Verhalten zu zeigen.

Langfristig speichert sich eine gewisse Handlungsweise ab, die zum Erfolg führt. Diese muss während der Resozialisierung umgepolt werden. Dies kann ein durchaus langwieriger und schwieriger Prozess sein.

Zeit Zeit Zeit – Sie brauchen Zeit

Wobei wir auch schon bei einem wesentlichen Teil der Arbeit wären. Je nach Hund – Mensch Team brauchen wir lange Zeit, um einen sicheren Erfolg gewährleisten zu können. Natürlich ist ein Hund, der 5 Jahre lang lernte, fremde Menschen anzugreifen, nicht nach 2 Minuten „Training“ geheilt.

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Wie lange die Resozialisierung dauert, kann pauschal nicht beantwortet werden. Insgesamt sind viele Faktoren entscheidend, unter anderem:

Intensität des Fehlverhaltens, Güte der Mensch – Hund Beziehung, Häufigkeit des Trainings, Intelligenz des Hundes etc.

Vorgehen: So resozialisieren wir den Hund

Der erste Schritt ist eine Ist-Analyse zu machen. Wir müssen eine umfangreiche Anamnese durchführen und die Probleme und Verbesserungsbedarf rund um die Bedürfnisse von Hund und Mensch feststellen.

Nachdem wir die „Fehler“ gefunden haben, schauen wir nach den Ursachen dieser Fehler. Diese müssen nun analysiert und beseitigt werden. Bsp: ist ein Hund unsicher und greift deshalb Menschen an, sollten wir nicht nur sein Verhalten an sich ändern. Zusammen mit einer Optimierung der Mensch – Hund Beziehung und umfangreicher Schulung des Menschen, müssen wir auch das Selbstbewusstsein des Hundes stärken, um langfristig erfolgreich zu sein.

Wie dies im Detail ausschaut, ist von Mensch, Hund und Geschichte abhängig. Nachdem der Hund nun selbstsicherer ist, können wir im moderatem Stress den Hund nun mit den für ihn unangenehmen Situationen konfrontieren. Wichtig ist, nun dem Hund eine Lösung zu präsentieren, wie er aus der Situation heraus kommt. Diese besteht z.B. bei Leinenaggressionen darin, dass der Hund möglichst Distanz zwischen sich und das Objekt der Angst bringt. Im Training kann der erste Schritt z.B. so aussehen, dass der Mensch so lange stehenbleibt und sich nicht entfernt, wie der Hund bellt und tobt. Geht der Hund einen Schritt nach hinten, entfernt sich der Mensch sofort. So lernt der Hund nun, dass ab sofort nur noch das neue Verhalten zum Erfolg führt. Nach und nach wird dies nun auf echte Situationen umgewandelt.

Bei der Desensibilisierung eines Hundes gegenüber stressigen Situationen kommt es auf den Einsatz moderaten Stresses und eine häufige Wiederholung an.

Haben Sie selbst einen Hund, der Ihnen Schwierigkeiten bereitet? Zögern Sie nicht, einen professionellen Hundetrainer zu kontaktieren und nach Hilfe zu fragen.

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