2 Kommentare

  1. Hallo Alex, hast du vielleicht auch einen Bericht über die Kastration der Hündin aus verhaltensbiologischer Sicht?.

    Ich erlebe es immer wieder, das es völlig Normal ist eine Hündin zu kastrieren.
    Hier mal ein paar Beispielbegründungen:
    – Wegfall der Hundesportturniere in der Zeit der Läufigkeit
    – Hundesporttraining ist in der Zeit der Scheinträchtigkeit nicht so effektiv
    – wir wollen keine Welpen
    – die Hündin leidet so sehr in der Zeit der Scheinträchtigkeit. Bei Nachfrage stellt sich aber immer wieder heraus, das alles völlig normal verläuft und auch vom Zeitraum her passt.
    – Spaziergänge gestalten sich aufwendiger
    – die Hündin blutet zu „viel“, dadurch mehr Aufwand beim putzen in der Wohnung/Treppenhaus….
    (bei Nachfrage: mehrere Tropfen im Tag)
    – wir können die Hündin in der Zeit der Läufigkeit kaum irgendwo mit hin nehmen
    – zu viele Rüden in der Nachbarschaft, das gibt immer Ärger mit den Nachbarn
    – Kastration vor der ersten Läufigkeit oder kurz danach um das Krebsrisiko zu minimieren. ( Empfehlung durch den Tierarzt)

    Es finden sich etliche Argumente eine Hündin zu kastrieren. Doch was ist mit den Folgen aus verhaltensbiogischer Sicht?.

    Grüße nach Gelsenkirchen
    Silvia

    1. Janina sagt: Antworten

      Mir liegt dieses Thema auch sehr am Herzen, deswegen möchte ich auch auf diese Fragen antworten:

      In erster Linie ist nocheinmal zu betonen, dass eine Kastration gemäß § 6 des Tierschutzgesetzes ohne medizinische Indikationen schlichtweg verboten ist. Tierärzte, die heute noch zu einer (Früh-) Kastration raten, ohne dass diese aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist, sind schlichtweg nicht auf dem neusten wissenschaftlichen Stand und sollten sich dringend weiterbilden. Denn Hunde brauchen die Hormone; sie beeinflussten u.A. die Entwicklung. Zudem kann der Wegfall dieser Sexualhormone auch gesundheitliche Folgen für den Hund haben. Zu diesem Thema wird aktuell noch geforscht!

      Nun zu Ihren Argumenten:
      Besonders zum Thema Hundesport sollte man sich folgende Frage stellen: Ist dies wirklich für den Hund notwendig auf Hochleistung Sport zu betreiben oder Erfolge zu erzielen oder betrifft dies nur das persönliche Ego des Hundehalters? In erster Linie sollte es doch um Beschäftigung und Spaß gehen und nicht um den Hund bis ultimo zu pushen. Aus diesem Grund den Hund kastrieren zu lassen finde ich daher ehrlich gesagt sehr sehr bedenklich und falsch! Es sollte um den Hund gehen und nicht um den Erfolgsdruck des Menschen!

      Zum Thema „Wir wollen keine Welpen“: Auch hier besteht, wie im Artikel von Gansloßer geschildert, immernoch die Möglichkeit, die Hündin sterilisieren zu lassen. Leider sind darin nur wenige Tierärzte ausgebildet. Jedoch kann man sich schlau machen. Zootierärzte sind auf jeden Fall darin geschult und ansonsten hat Gansloßer auf einem Seminar auch angeboten, entsprechende Tierärzte auf Nachfrage zu vermitteln!

      Zum Thema Spaziergänge und Alltag mit Rüden: Kastration ersetzt keine Erziehung! Es ist viel sinnvoller an seiner Rolle als Hundeführer zu arbeiten und den Hund sicher durch den Alltag führen zu lernen, als es sich mit einer Kastration scheinbar zu vereinfachen!
      (Und das Treppenhaus zu putzen, seh ich erhrlichen gesagt auch nicht als Problem. Hunde machen halt mal Dreck ;) ).

      Scheinträchtigkeit: Natürlich gibt es auch medizinische Gründe die Hündin kastrieren zu lassen. In solchen Fällen sollte man sich auf jeden Fall vom TA beraten lassen. Jedoch eine Kastration aus Angst vor Tumoren vorzunehmen, ist meiner Meinung nach genauso, als würde man sich das Bein aus Angst vor Arthrose amputieren lassen: 100% wirkungsvoll, aber doch eher sinnlos!

      Abschließend möchte noch sagen, dass eine Kastration trotzdem auch nicht pauschal abzulehnen ist. Verallgemeinerungen kann man hier einfach nicht treffen: Es ist und bleibt eine Einzelfallentscheidung, die man sich genau überlegen sollte. Gute Hundetrainer können auch diesbezüglich eine Beratung liefern, insbesondere wenn sie den jeweiligen Hund kennen und sein (hormongesteuertes) Verhalten einschätzen können.

      Für ausführliche Infos empfehle ich das Buch „Kastration und Verhalten beim Hund“ von Udo Gansloßer und Sophie Strodtbeck

      Liebe Grüße

      Janina Patz

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