Das Selbstbewusstsein des Hundes stärken

Über den Umgang mit unsicheren Hunden und Möglichkeiten, unseren Vierbeinern Selbstbewusstsein zu vermitteln

Der Umgang mit unsicheren Hunden will gelernt sein. Doch gerade in der heutigen Zeit sehen wir immer mehr unsichere Hunde auf unseren Hundespaziergängen. Dies ist kein Wunder, werden doch durch Vermehrer und Tierschutzorganisationen viele Hunde in Familien vermittelt, die während der wichtigen Entwicklungszeit in den frühen Lebenswochen wenig bis gar keine Umweltreize mitbekommen haben.

Hundetrainer Recklinghausen

Um den Umgang mit unsicheren Hunden zu lernen, müssen wir diese erst einmal verstehen. Wie kommt es zu der Unsicherheit? Was können wir tun? Ein paar Antworten:

Wichtige Entwicklungsphasen werden verpasst

In der Entwicklung von Hunden gibt es mehrere sogenannte sensible Phasen, in denen der Hund, bzw. das Gehirn des Hundes, sich auf das spätere Leben vorbereitet. Man kann vereinfacht sagen, dass der Hund nun aufnimmt, unter welchen Lebensumständen er später leben muss. Dabei ist zu beachten, dass es keinesfalls nötig ist, dass der Hund in diesen Phasen alles kennen lernen muss, was ihm auch später mal begegnen kann. Die sensiblen Phasen sind denkbar kurz und könnten auch bei größtem Engagement des Besitzers, nicht alle Eventualitäten der unplanbaren Zukunft abdecken. Das sollen sie aber auch gar nicht.

Moderater Stress ist wichtig

Überlaste ich den Hund mit neuen Eindrücken, ist er überfordert und er „macht zu“, d.h. er wird aus all der Überforderung nichts positives für die Zukunft mitnehmen, sondern reagiert womöglich gestresst und mit Ablehnung auf seine Umwelt. Die Kunst ist es, den Hund mit moderatem Stress zu konfrontieren. Moderat bedeutet in diesem Fall, dass der Hund ab und zu mal neue Eindrücken kennen lernt. Wichtig ist, dass der Hund sich frei bewegen können sollte, selbst entscheidet, wann und wie weit er sich einem Objekt/Geräusch/etc. nähern möchte. Nur wenn dem Hund dies ermöglicht wird, kann eine optimale Entwicklung gewährleistet sein.

Moderater Stress ist für die Entwicklung der Hunde enorm wichtig
Moderater Stress ist für die Entwicklung der Hunde enorm wichtig

Es gilt also nicht, dem Hund ein Auto, ein Bus, eine Straßenbahn, ein Fahrrad, eine Rikscha, ein Taxi, ein Flugzeug und einen Hubschrauber zu zeigen. Besser wäre es, mit dem Hund Auto zu fahren und evtl. mal eine Bus-Endhaltestelle zu besuchen und den Busfahrer lieb zu bitten, das Ein- und Aussteigen üben zu dürfen.

Allgemein kann man sagen, dass es wichtig ist, dass der Hund überhaupt lernt, mit neuen Eindrücken umzugehen. Geschieht dies nicht, wie z.B. häufig bei Hunden aus dem Auslandstierschutz, Hunden von Vermehrern oder aus Tierheimen, kann der Hund evtl. unsicher werden, wenn er plötzlich in die Stadt zieht oder eine Gegend mit für ihn unbekannten Umweltfaktoren.

Dies muss nicht der Fall sein. Viele Hunde gewöhnen sich auch schnell an ihr neues Leben und tauen ganz auf. Andere Hunde jedoch geraten in eine Angstspirale, reagieren mit Flucht oder im schlimmsten Fall mit Angriff. Gerade, wenn dann die Beziehung zwischen Hund und Mensch nicht ideal ist, und der Mensch kein Anker der Ruhe für den Hund ist, kann es zu problematischen Verhaltensweisen der Vierbeiner kommen.

Weiterhin kann es auch durch schlechte Erfahrungen zu einer Unsicherheit kommen. Wurde ein Hund an einer bestimmten Stelle, zu einer bestimmten Zeit oder von einem Bestimmten Geräusch/Menschen/Hund geschädigt (psychisch oder physisch), kann daraus eine Unsicherheit resultieren.

Bei unsicheren Hunden braucht man Zeit

Ein wichtiger Faktor im Training mit unsicheren Hunden ist die Zeit, die ich einplane. Natürlich kann man eine bestimmte Verhaltensweise (z.B. Pöbeln an der Leine oder Bellen) sehr schnell „wegtrainieren“. Meist gezeigt von vielen selbsternannten Hundeflüsterern, die zu viel Cesar Millan geschaut haben. Was hier geschieht, ist jedoch nicht das Problem bei der Wurzel zu packen, sondern die äußerlich sichtbaren Symptome zu behandeln. Langfristig erfolgreich werde ich jedoch nur, wenn ich die Unsicherheit des Hundes behandeln kann.

Der Hund fühlt sich sichtlich unwohl
Der Hund fühlt sich sichtlich unwohl

Das wichtigste, was wir uns vor Augen führen müssen, ist: in welcher Situation steckt der Hund? Ich muss Verständnis für den Hund aufbringen können, mich in seine Situation hineinversetzen können, um ihm Helfen zu können. Dazu sollte ich nicht böse auf den Hund sein, wenn er mal nicht so will, wie ich mir das vorstelle.

Es geht nur mit Konfrontation

Wie in den sensiblen Phasen auch, geht es auch in der „Bekämpfung“ der Unsicherheit nur über Konfrontation. Ideal läuft es, wenn der Hund einen Ausweg aus der für ihn unangenehmen Situation findet, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Beispiel: Ein Mensch kommt auf mich und meinen Hund zu. Mein Hund wechselt hinter mir die Seite und hat nun mich als Puffer zwischen sich und dem Fremden. Verwehre ich dem Hund diesen Seitenwechsel, weil ich vielleicht darauf bestehe, dass der Hund immer auf der einen Seite von mir läuft, könnte sich die Situation verschärfen. Hier genügt eine ganz simple Lösung und der Hund wird nach und nach merken: Alles klar, wenn Menschen auf mich zukommen, kann ich ganz entspannt mein Herrchen/Frauchen als Puffer nutzen. Das finde ich gut so. Ich fühle mich so wohler.

Allgemein gilt der Satz: Weiß der Hund um seine Möglichkeiten, eine für ihn unangenehme Situation zu lösen, zu verlassen oder zu bewältigen, wird sein Selbstbewusstsein auf lange Sicht steigen.

Falls wir uns das noch einmal bildlich vorstellen wollen. Stellen Sie sich vor, sie haben Angst vor der See. Nun sollen Sie mit einem Boot von A nach B fahren. Sie haben Angst unterzugehen. Wenn Sie allerdings ein Rettungsboot haben, oder über Ihnen ein Hubschrauber fliegt, der Sie im Falle des Falles rettet, wird sich Ihre Angst (zumindest ein Stück weit) legen.

So geht es auch unseren Hunden in Situationen der Unsicherheit. Manchmal helfen kleine Tipps und Tricks, es kann aber auch sein, dass eine lange Therapie nötig ist, um dem Hund wieder auf die Beine zu helfen. Es gibt viele gute Trainer, die mit ängstlichen Hunden arbeiten. Schreiben Sie uns einfach an!

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