Der Weg zum Traumberuf: Hundetrainer

„Wir bieten Ihnen einen attraktiven Arbeitsplatz an der frischen Luft, mit viel Abwechslung, Spannung, flexiblen Arbeitszeiten in einem global wachsendem Markt“

So könnte die Stellenbeschreibung für einen Hundetrainer anfangen, stünde er in einer klassischen Jobbörse zur Ausschreibung. Doch ist die Arbeit als Hundetrainer wirklich der schöne Traum an der frischen Luft? Wir geben einen kleinen Einblick in die tägliche Arbeit, die Ausbildung und andere Dinge, die man vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat.

Dienstag Abend, 19:30 Uhr, du stehst allein auf dem Trainingsplatz oder am Treffpunkt. Seit 15 Minuten hat dein Grundgehorsam-Kurs angefangen, doch niemand ist gekommen. Statt Herrchen und Frauchen im Bereich Hund-Mensch Kommunikation zu schulen, stehst du allein im Regen und bist stark durchnässt und traurig, dass sich niemand abgemeldet hat.

Was nach Schreckensszenario klingt, ist für viele Hundetrainer bitterer Alltag. Menschen haben bei schlechtem Wetter keine Lust mit ihren Hunden in die Hundeschule zu gehen. „Ach wenn ich heute fehle, ist es ja nicht so schlimm. Die anderen sind ja noch da“, dürfte sicher ein bekannter Denkfehler sein. Haben 5 Menschen gleichzeitig diesen Gedanken, tritt oben beschriebenes Szenario ziemlich schnell ein.

Im Sommer wird mehr trainiert als im Winter, bei Sonne wird mehr trainiert als bei Regen aber bei zu viel Sonne sind die Leute lieber im Garten und Grillen oder im Freibad, anstatt den lästigen Gang zum Training zu gehen. Auf diese Eigenheiten sollte man sich gefasst machen, wenn man den Weg zum Hundetrainer einschlägt. Abhilfe können im Voraus bezahlte Kurse sein, um zumindest den finanziellen Ausfall abfangen zu können.

Doch es gibt auch schöne Seiten am Beruf des Hundetrainers. Ich z.B. rede für mein Leben gerne, am liebsten natürlich über Dinge, die mir Spaß machen. Vorträge halten oder sein Geld mit Kaffeetrinken bei netten Menschen zu Hause zu verdienen, während man ausführlich die Geschichte und Probleme des Hundes bespricht, sind nicht von der Hand zu weisende positive Eigenschaften meines Jobs.

Der Weg zum Beruf: Ausbildung, Prüfung und finanzieller Aufwand

Ursprünglich war es in Ordnung, mit der ca. 20€ teuren Gewerbeanmeldung mit dem Beruf des Hundetrainers anzufangen. Da der Markt überflutet wurde von unseriösen, das schnelle Geld witternden „Trainern“, wurden vor zwei Jahren sogenannte „Markteintrittsschranken“ installiert. In der Branche wurde dies im Zuge des sogenannten „11ers“ getan, der eine vor dem Veterinäramt bewiesene Sachkunde eines mit Tieren arbeitenden Menschen vorsieht. Diese Prüfung ist bis heute die einzige Schranke, die es zu öffnen gilt, will man sich als Hundetrainer selbstständig machen. Arbeitet man in einer Hundeschule oder für einen Hundetrainer, so braucht man diese Prüfung nicht zu machen.

Was wird also in dieser Prüfung verlangt und auf welche Kosten muss ich mich einstellen? Gute Frage. Die Prüfung ist von Kreis zu Kreis unterschiedlich. Konsens scheint zu sein, dass Theorie und Praxis überprüft werden. Umfang und vor allem die subjektive Bewertung unterscheiden sich in großem Maße. Ich habe meine Prüfung im Sommer 2015 in Bielefeld abgelegt. Dort wurde eine Theorieprüfung im Single Choice Verfahren am PC, eine Videoanalyse von 5 Sequenzen und eine praktische Prüfung in Form einer ersten Einzelstunde inkl. Anamnesegespräch durchgeführt. Die Bewertung meiner Arbeit nahm dabei ein externer Sachverständiger vor, der, zumindest bei mir in Bielefeld war es so, in der direkten Nachbarschaft ebenfalls Hundetraining anbot. Dies ist sicherlich eine höchstunglückliche Situation, kommt doch der Gedanke nah, dass dieser Mensch nicht wirklich Interesse daran hat, seine Konkurrenz im eigenen Gebiet zuzulassen.

Wir in Bielefeld hatten jedoch Glück mit dem Sachverständigen, der von vornherein die Karten auf den Tisch legte, und einen Methodenstreit ausschloss, sollte das Tierschutzgesetz eingehalten werden.

Insgesamt haben Theorie, Videoanalyse und Praxisprüfung ca. 1000 Euro gekostet. Eine ganze Menge Geld. Doch welche Kosten kommen sonst noch auf einen zu? Woher bekommt man das Wissen, um als Verhaltensberater arbeiten zu können bzw. die Prüfung zu bestehen? Es gibt verschiedene Wege.

Man kann z.B. Ausbildungen absolvieren. Diese sind, je nach Anbieter, anerkannt oder nicht anerkannt. Meistens umfassen sie zwischen 6 Monaten und 2 Jahren Ausbildungszeit, eine Abschlussprüfung mit gleichzeitiger Zertifizierung bei der Tierärztekammer oder mit „11er Garantie“, also dem Versprechen, dass das Veterinäramt die Ausbildung anerkennt. Dies ist jedoch so schlecht zu versprechen, denn jedes Vet. Amt entscheidet selbst, welche Ausbildungen anerkannt werden und welche nicht.

Ich habe mich bewusst gegen eine Ausbildung entschieden, um a) Kosten zu sparen und b) nicht schon während der Ausbildung in eine gewisse Ecke gedrängt zu werden. Natürlich ist es sinnvoll, durch diverse Praktika mal in den Beruf hineinzuschnuppern, doch sollte man Trainingsmethoden immer kritisch hinterfragen und sich die biologischen Kenntnisse aus der Fachliteratur aneignen. So las ich z.B. die Bücher von Fr. Dr. Feddersen – Petersen, die zwar vom Schreibstil sicher gewöhnungsbedürftig sind, jedoch so wertvolle Informationen enthalten, dass sie zur Grundlagenliteratur jeder Ausbildung zählen. Dazu kann man sich Bücher über Lernverhalten und gängige Theorien zu diesen Themen ausleihen oder kaufen. Dabei sind viele Lernvorgänge oder allgemein die Biologie verschiedener Säugetiere gar nicht so unterschiedlich. Die Hundepsychologie ist einfach noch nicht ansatzweise so weit wie die Humanpsychologieforschung und so kann man grundlegende Erkenntnisse aus dieser nehmen, und mit seinem Fachwissen rund um den Hund und ein wenig Einfühlungsvermögen seine Schlüsse ziehen.

Hat man sich genügend theoretisches Wissen angeeignet, dann sollte man mit der Praxiserfahrung beginnen. Hunde ausführen im Tierheim ist eine wunderbare Möglichkeit, verschiedenste Hundecharaktere und Hunde mit Macken oder heikler Vorgeschichte kennenzulernen. Am besten lernt man eben durch Hundekontakt bzw. durch Beobachtung. Praktika in Hundeschulen ergänzen die eigenen Erfahrungen mit nützlichen Tipps, Umgang mit Kunden und ggf. Infos zu Kursaufbau etc. Habe ich nun praktische und theoretische Kenntnisse, kann es eigentlich losgehen.

Halt! So schnell nun doch nicht. Viele Selbstständigkeiten scheitern an mangelnder Vorbereitung bzw. mangelhafter Planung und Organisation. Seminare, welche die Wirtschaftsförderungen bzw. Gründercenter häufig kostenfrei anbieten, sollten unbedingt besucht werden, um sich mit Dingen wie Haftung, Versicherungen, Steuern und Schulden auseinanderzusetzen. Außendarstellung, Social-Media Konzept und Werbung gehören genauso zum Hundeschul-Alltag wie der Umgang mit Kunden und Hunden.

Zuletzt sollte man sich noch genau an folgende Worte erinnern: Ein Meister macht noch keinen guten Lehrer. Ihr könnt noch so gut im Umgang mit Hunden sein, im Endeffekt zahlt sich das nur aus, wenn ihr anderen Menschen dies auch nahelegen und verständlich erklären könnt.  Dabei sind Menschenkenntnis, Improvisationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen nützliche Eigenschaften.

Jetzt kann es aber losgehen. Die ersten Kunden findet man schnell in der Familie oder unter Freunden. Dann gilt es, sich am Markt zu etablieren und durchzusetzen. Dazu gibt es natürlich verschiedene Strategien. Vom sehr attraktiven Preis bis hin zu besonders attraktiven Sonderkonditionen oder Partnerschaften mit Tierärzten/Hundefriseuren o.Ä. stehen euch viele Dinge zur Verfügung.

Wie sieht der Alltag als Hundetrainer aus? Dies erfahrt ihr in Teil 2

Ihr sucht ein Praktikumsplatz in einer Hundeschule? Kein Problem! Sprecht uns einfach an oder Mailt uns.

1 Kommentar

  1. Hallo Alex,
    sehr gut geschrieben. Danke.

    Warum kommt der Kunde nicht zum Training……Ich finde es gut, das du den Teil nicht unerwähnt gelassen hast.
    Es ist mit dem Kunden und ihrem Einsatz zum Hundetraining zu kommen wirklich sehr enttäuschend.
    Selbst wenn es nicht regnet, reicht mittlerweile schon nasser Untergrund um nicht zu kommen, da der Hund da nicht raus gehen möchte.. ??.
    Welpen werden schon dahingehend erzogen bei Regenwetter nicht raus zu gehen.Das bestätigen auch andere Hundetrainer..

    Selbst wenn sich die Kunden ab melden , ist es häufig erst zur vereinbarten Uhrzeit. Dann hat der Hundetrainer seine Vorbereitungen zum Kurs schon geplant und auch den Weg zum vereinbarten Treffpunkt auf sich genommen. Andere Termine wurden entsprechend zeitlich an dem Kurs angepasst.
    Diese Kosten entstehen zusätzlich. Im Voraus bezahlte Kurse können ein wenig den finanziellen Ausfall abfangen.

    Die Prüfung §11 Tierschutz Gesetz für Hundetrainer, ist weiterhin fragwürdig .

    Ich habe auch gut 1000 Euro für alle Teilbereiche der Prüfungen bezahlt.
    Die Durchführung der Prüfungen schwankt doch sehr von einem Kreis zum anderen.
    Bei mir zum Beispiel bestand der Theorie Teil aus einem Multiple Choise Test, statt dem Single Choise. Auch gibt es in manchen Kreisen, nur einen kleinen Theorietest ohne die Praxis zu prüfen.
    Mir haben die Veterinärämter Bielefeld und Gütersloh schriftlich mitgeteilt, das auch Angestellte einer Hundeschule, die Prüfungen absolvieren müssen, wenn sich die Tätigkeitsbereiche mit dem Betreiber der Hundeschule decken.
    Hundevereine die Kurse für Vereinsnexterne/Kunden anbieten, sind weiterhin von den Prüfungen nach §11 Tierschutzgesetz ausgenommen.
    Ich freue mich auf deinen zeiten Teil . Grüße Silvia

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