Häufige Fragen rund um den Hund

FAQ 1

Kein Mensch – Hund Team gleicht dem anderen. Das macht unsere Arbeit so interessant und spannend. Dennoch sind natürlich viele Probleme ähnlich oder gehen auf ähnliche Ursachen zurück. Viel Zeit verbringen wir auch damit, Fragen zu klären. Fragen wie: „stimmt es eigentlich, dass der Hund nicht zuerst durch die Tür gehen darf?“ Kurz und knapp: Nein, das stimmt natürlich nicht. Gott sei Dank, sonst würde ich seit einigen Jahren vieles Falsch machen. Wir haben für euch ein paar der häufigsten Fragen und größten Missverständnisse mal in ein FAQ gepackt. Viel Spaß

Heranwachsende Hunde

Stimmt es eigentlich, dass der Hund nicht zuerst durch die Türe gehen darf?

Nein, das stimmt nicht. Häufig ließt man derartiges im Internet oder hört es von selbsternannten Hundetrainern auf der Freilaufwiese. Geht der Hund zuerst durch die Türe, wird er dominant und übernimmt die Führung. Grundsätzlich hat die „Dominanz“ des Hundes nichts damit zu tun, dass der Hund zuerst durch die Haustür abzischt. Viel mehr ist Dominanz die Eigenschaft einer Beziehung zwischen Mensch und Hund. Die wird sicher nicht durch die Tatsache determiniert, dass der Hund in einer Situation zuerst irgendwo herausgeht. Viel mehr handelt es sich um ein großes Ganzes. Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist komplex. Der Mensch sollte dem Hund Grenzen setzen (können). Dann habe ich auch keinerlei Probleme, wenn der Hund zuerst aus der Türe geht. Wie bei allen anderen Situationen ist es auch hier so: kann ich den Hund auch zurückrufen, und er würde sitzenbleiben, während ich aus der Türe gehe, dann ist alles in Ordnung. Prescht der Hund einfach unkontrolliert aus der Tür, und ich kann ihn nicht bremsen, habe ich ein Problem. Dies wäre allerdings nicht die Tatsache, dass der Hund zuerst aus der Tür geht (Symptom), sondern, dass ich dem Hund keine Grenzen setzen kann. Hier habe ich also ein Beziehungsproblem (Ursache). Und man sollte immer eine Ursache neutralisieren anstatt Symptome zu bekämpfen.

Welche Leine ist eigentlich die beste?

Puh, das kann man so gar nicht sagen. Es gibt diverser Leute, die würde mich vermutlich steinigen wollen, weil ich ein Freund der Flexi bin. Ja, das bin ich. Mich trifft man häufig mit Flexi an. Wieso? Ganz einfach: Mein Hundetrainer Alltag sieht so aus, dass ich mit meinem Hund den Tag lang unterwegs bin. Häufig kenne ich die Gegend nicht, weiß nicht, wo ich mit Balou vernünftig laufen kann. Natürlich habe ich zwischendurch genügend Zeit, hier und da mal mit ihm zu laufen, dennoch kommt es immer wieder vor, dass nur Parkähnliche Auslaufmöglichkeiten vorhanden sind. Geht er ins Gebüsch, habe ich keine Lust ihm hinterherzulaufen. Da kommt mir die Flexi zu gute. Auf engen Wegen oder Bürgersteigen stelle ich die Flexi fest, und benutze sie als ganz normale kurze Leine. Wichtig ist, die Flexi nicht zu missbrauchen. Man darf nicht in jeder Situation sofort den Stoppknopf drücken und den Hund zurückziehen. Versuchen Sie lieber, so zu tun, als sei Ihr Hund gar nicht angeleint, und benutzen Sie den Stoppmechanismus nur im Notfall oder zur Korrektur, nachdem der Hund nicht gehört hat. 

Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass viele Leinen Ihre Daseinsberechtigung haben, denn jeder Mensch hat andere Vorlieben. Manche menschen gehen lieber mit der Gurtschleppleine, andere wieder mit der Biothane, manche lieben Lederleinen, einige mögen Retrieverleinen. Wie immer sollte gelten: Ist der Hund angeleint, sollte er vernünftig bei mir laufen. Dann ist die Frage nach der besten Leine hinfällig, und man kann ganz nach Geschmack entscheiden.

Darf der Hund auf die Couch oder ins Bett?

Ja, ja, ja. Körperkontakt ist für Hunde sehr angenehm, und vor allen Dingen nötig. Natürlich kann man niemanden zwingen, sein haariges, dreckiges Tierchen mit auf die Couch zu nehmen. Viele Hunde genießen dies allerdings. Bei engem Körperkontakt und Streicheln werden nach kurzer Zeit Bindungshormone ausgeschüttet. Diese wirken als Antidepressivum und Stresshemmend. Es lohnt sich also. Wie auch bei der ersten Frage mit der Tür (siehe Oben), ist es auch hier, die richtige Beziehung mit seinem Hund zu haben. Lässt sich der Prinz nicht mehr von der Couch befördern und knurrt er mich dabei an, sollte ich dringend an der Beziehung arbeiten. 

Wie viel Futter bracht mein Hund?

eine der häufigsten Fragen im alltäglichen Training. Nein, das kann man leider nicht pauschalisieren. Jeder Hund ist individuell und hat einen eigenen Energiebedarf. Stoffwechsel, Alter und Aktivität hängen davon ab, wie viel Futter der Hund bekommen sollte. Natürlich hängt es auch davon ab, welches Futter der Hund bekommt und wie hoch der Energieanteil im Futter ist. Die Angaben auf den Futterdosen/Packungen ist immer nur ein Richtwert, mit dem ich mal starten sollte. Natürlich kann sich die strenge Haltung an diesen Plan negativ auswirken. Stellen Sie sich vor, der 20 KG Hund bekommt 700 g Futter. Dies könnte zu viel sein. Nach kurzer Zeit wiegt der Hund 21 KG und muss laut Tabelle nun 725 g bekommen. Dies führt natürlich zu einem immer schwerer werdenden Hund. Bitte beachten Sie, dass auch das „satt sein“ Lebensqualität ist. Hat der Hund einen geringen Energiebedarf sollte ich ein Energiearmes Futter verwenden, anstatt nur einen Miniklecks zu füttern.

Klären die das unter sich oder muss ich eingreifen?

Achtung. Dieses Thema wird heiß diskutiert und man macht sich in Foren schnell Feinde, wenn man die ein oder andere Meinung vertritt. Häufig wird proklamiert, man dürfe die Hunde nichts „regeln“ lassen und muss immer und überall dafür sorgen, dass der eigene Hund passiv bleibt und bloß nicht knurrt oder aggressiv handelt. Völliger Blödsinn. Hunde sind aggressiv. Jeder einzelne von ihnen, und das ist auch gut so. Ja, auch ihr Hund ist aggressiv. Es gibt natürlich unterschiedliche Intensitäten der Aggression, dennoch ist die hundliche Kommunikation darauf ausgelegt, aggressiv zu sein. Sie ist aber auch gewaltfrei. Wichtig ist, zwischen Aggression und Gewalt zu differenzieren. Wenn sich zwei Hunde auf einem Spaziergang treffen, sie zwei, drei Runden um sich selbst drehen und dann der eine den anderen ein bisschen angeht, habe ich gar keinen Grund, einzugreifen. Für mich gilt der Grundsatz: So lange machen lassen, bis ein Hund Hilfe braucht. Diese Hilfe zu erkennen, muss gelernt sein. Man sollte die hundliche Kommunikation kennen und erkennen. Häufig braucht ein Hund auch im Spiel schon Hilfe. Wenn es dem ein oder anderen Hund mal zu wild wird, dann kommen sie gerne zu den Menschen, um eine Pause zu machen oder Schutz zu suchen. Hier muss ich meinem Hund Schutz gewähren. Gleiches gilt für eine Auseinandersetzung zwischen zwei Hunden. Normalerweise sind solche Angelegenheiten binnen Sekunden geklärt, einer der Hunde zeigt sich als „Unterlegener“ und steckt zurück. Sollte der „Überlegene“ dann immer noch nicht zurückstecken, muss ich eingreifen.

Der Trend geht leider in eine Richtung, in der uns die  sogenannte „moderne Hundeerziehung“ vormachen möchte, dass Konflikte Tabu sind. Doch das Lernen in Konflikten und Erlernen der Konfliktfähigkeit spielt für uns eine zentrale Rolle in der Hundeerziehung. Hunde erkennen die Signale der hundlichen Kommunikation von Geburt an. Die „Belegung“ der Signale, also was bedeutet eigentlich was, muss aber gelernt werden. Geben wir den Hunden eine Chance dazu.

Der Artikel wird laufend aktualisiert und vervollständigt. Dies kann jedoch ein wenig dauern :)

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