Beißstatistik – Welcher Hund ist wirklich gefährlich?

Gestern habe ich in der Presse über die Veröffentlichung einer neuen Beißstatistik gelesen. Natürlich war als Titelbild ein deutscher Schäferhund gewählt. Wieso Schäferhunde als besonders bissig gelten? Weil sie am häufigsten zubeißen! Was? ja! Obwohl, wir müssen hier doch mal ein wenig in die Statistiktasche greifen.

Schäferhund gilt weiterhin als Beißer

Natürlich sind Schäferhunde keine hochaggressiven Beißmaschinen. Zumindest nicht von Natur aus. Bei den in den Reporten genannten Zahlen handelt es sich meist um absolute Zahlen. Da Schäferhunde seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Hunderassen gelten, sind sie sehr zahlreich in Deutschland vertreten. Wie die relativen Zahlen zeigen beißen fast alle Hunderassen ähnlich häufig zu, was automatisch dazu führt, dass der Schäferhund in den absoluten Zahlen auf Platz 1 steht.

Schäferhunde und Mischlinge beißen in Deutschland am meisten. Dies liegt aber nicht an der Gefährlichkeit der Rasse sondern an der großen Zahl dieser Hunde in Deutschland

Denn auch Golden Retriever und Labradore tauchen in den Statistiken nur knapp hinter dem deutschen Schäferhund auf. Klar, denn auch sie werden als optimale Familienhunde gesehen und verbreiten sich mehr und mehr in deutschen Wohnzimmern.

Wieso kommt es zu Beißunfällen? Laut des Beißreports handelt es bei 90% der Bissvorfällen um den eigenen oder gut bekannte Hunde des Opfers. Kommunikationsprobleme zwischen Mensch und Hund sind der häufigste Auslöser für Hundebisse. In meiner Arbeit in der Hundeschule in Bielefeld stelle ich täglich Defizite bei den Hundebesitzern fest, was das Verständnis des Ausdrucksverhaltens ihres Hundes angeht.

Häufig Kinder als Opfer

Häufig sind die Opfer noch Kinder, was mich gar nicht verwundert. Zuerst sind Kinder natürlich für Hunde schwerer einzuschätzen, da sie sich teilweise unberechenbar verhalten, weil sie die Sprache der Hunde evtl. noch nicht gelernt haben und/oder die Hunde nicht genügend an Kinder sozialisiert sind.

Dazu kommt ein Phänomen, welches sich häufig auf YouTube Videos unter dem Begriff „Hund & Kind“ finden lässt. Die Eltern lassen die Hunde in ihrem Körbchen oder an einem anderen Ort Platz machen und zwingen ihnen den direkten Kontakt zu den Kindern auf. Auch wenn die Hunde dann heftige Anzeichen geben, dass ihnen diese Situation deutlich Unbehagen bereitet, werden sie weiter gezwungen, neben dem Kind liegen zu bleiben. Dass der Hund dann irgendwann schnappt, gehört zu seinem normalen Verhalten.

Stellen Sie sich einmal vor, ein Mensch belästigte Sie und lässt auch nach heftigen Bitten ihrerseits die Belästigung nicht sein. Viele von uns hätten dann wahrscheinlich Verständnis dafür, dass man dann auch mal einen etwas rauheren Ton anschlägt. Dies wäre im Fall des Hundes dann Knurren oder das Beißen.

Rasselisten sind veraltet und unsinnig

Was der Report ebenfalls verrät ist der nicht vorhandene Nutzen von Rasselisten. Wir können nur hoffen, dass sich die Bundesländer alle an Schleswig – Holstein ein Beispiel nehmen und diese möglichst bald abschaffen. (Lesen Sie hier alles wichtige zum neuen Hundegesetz in SH)

In Bezug zu NRW lässt sich in Hinblick auf die behördliche Auswertung eigentlich keinerlei sinnige Erkenntnis gewinnen. Absolute Zahlen werden mit relativen gemischt und relative Zahlen bei extremen Unterschieden der Populationsgröße verglichen. Fragt man Hundetrainer oder andere Sachverständige, so lässt sich kaum jemand finden, der ernsthaft an die genetisch bedingte Gefährlichkeit einiger Hunderassen glaubt. Der Mensch muss in die Verantwortung genommen werden, so wie es in Schleswig – Holstein ab 2016 der Fall sein wird.

Haben Sie das Gefühl, Ihren Hund nicht richtig einschätzen zu können? Suchen Sie sich Hilfe. Das Buch „Ausdrucksverhalten beim Hund“ von Feddersen – Petersen kann Ihnen helfen, ähnlich wie der Vortrag „Ausdrucksverhalten des Hundes“, welchen ich in meiner Hundeschule in Bielefeld anbiete.

Sie haben Fragen? Stellen Sie diese gerne in den Kommentaren.

3 Kommentare

  1. Katharina sagt: Antworten

    Wie viele Beißvorfälle gibt es denn so in etwa relativ gesehen zu den Zahlen an Hunden in Deutschland? Und wird auch unterschieden zwischen der Schwere der Verletzung?

  2. Ich finde die ganze Liste einfach nur lächerlich..das ist alles nur moderne legale Abzocke..Ich besitze einen dogo Argentino+einen rhodesian ridgeback hab mit dem dogo nur Probleme maulkorb wesenstest usw…der Test kostet halt mal auf die schnelle 400euro der witz ist der rhodeian ridgeback war auch in der Liste und wurde dann wieder rausgenommen lol lächerlich..und???…keiner von beiden ist aggressiv im Gegenteil…klar muss man mit einem dogo anderst umgehn und ihm seine dominanz nehmen ..die hunde können nie etwas dafür wenn dann liegt es am Halter deshalb..TESTET die HALTER und nicht die HUNDE!!!!
    lg tobi

  3. Katja sagt: Antworten

    ein gut geschriebener artikel und ich hoffe, dass sich viel mehr mit dem wesen hund auseinandergesetzt wird, damit es in zukunft viel weniger beißvorfälle geben wird.

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