Hilfe! Mein Hund knurrt mich an

Der eigene Hund knurrt mich an

Wir leben mit Hunden in engen sozialen Beziehungen zusammen. Viele von uns Hundebesitzern bezeichnen den Hund als Familienmitglied. So lieb wir unsere Vierbeiner auch haben, manchmal sind wir auch sauer auf sie. Wenn der Hund mal wieder nicht zu uns zurückkommt, obwohl wir ihn lautstark rufen, er aber lieber spielt anstatt zu gehorchen, wenn der Kuchen plötzlich vom Esstisch verschwunden ist und wir gerade noch einen schmatzenden Hund weggehen sehen, oder wenn er sich mal wieder in irgendetwas unappetitlichem wälzt.

Kommt der Hund dann angekrochen, wollen wir ihn nicht sehen, wir schicken ihn weg und strafen ihn ggf. mit Ignoranz.

Ausdrucksverhalten des Hundes lernen

Doch was für Möglichkeiten hat eigentlich ein Hund zu sagen „Ich will jetzt lieber meine Ruhe haben“, oder „Ich habe Angst davor oder Schmerzen, bitte lass das“?

Dem Hund steht ein ganzes Repertoire an Möglichkeiten zur Verfügung, um sich auszudrücken. Leider haben sich die Menschen von der intuitiven zwischenartlichen Kommunikation entfernt und so verstehen sehr viele Hundebesitzer ihre Vierbeiner eigentlich nicht richtig. Der Hund zeigt womöglich schon durch erste Signale, dass er eigentlich lieber Abstand zu seinem Menschen hätte.

Wegdrehen: Das erste Signal ist das Wegdrehen. Komme ich auf meinen Hund zu und er dreht sich weg, kann das schon ein erstes Anzeichen dafür sein, dass er sich unwohl fühlt. Häufig sieht man dieses Verhalten beim Umarmen von Hunden, dort drehen sie sich ein wenig weg und zeigen gleichzeitig ein Gähnen.

Gähnen: Gähnt der Hund kann das verschiedene Dinge bedeuten. Sowohl Komfortverhalten als auch Stress werden durch das Gähnen angezeigt. Streichele ich meinen Hund und er gähnt, muss es also keinesfalls ein Anzeichen für Stress sein. Die ganzheitliche Beobachtung des Ausdrucksverhaltens des Hundes muss hinzugezogen werden.

Weglaufen: Das Weglaufen kann der Hund einsetzen, wenn seine ersten Signale unverstanden bleiben und er die Distanzwahrung sozusagen selbst in die Hand nehmen muss. Schaut man sich Youtube Videos zum Thema Hund und Kind an, dann graut es einem, sieht man wie viele Menschen ihren Hund nicht richtig lesen können. Es werden Kinder neben den Hund auf den Sessel gelegt, während der Hund deutliche Zeichen des Unbehagens signalisiert. Will der Hund dann weggehen, weil seine Signale missachtet werden, wird er bestraft, er habe gefälligst beim Kind zu bleiben und das toll zu finden.

Knurren: Hat der Hund signalisiert, dass er meine Nähe nicht möchte und gehe ich dennoch auf ihn zu und auch hinter ihm her, wenn er sich von mir distanziert, bleibt ihm noch das Knurren übrig. Spätestens hier sollten wir respektieren, dass der Hund etwas nicht möchte. Dabei ist es keineswegs schlimm, wenn mich mein Hund anknurrt. Es tut unserer Beziehung gut, wenn ich auch auf seine Bedürfnisse eingehe und verstehe, dass er gerade keine körperliche Nähe wünscht. Hundehalter und Hund dürfen und sollten sich gegenseitig respektieren.

Häufig höre ich „WAS, ich kann mich doch nicht von meinem Hund anknurren lassen!!!“

Doch, und ich sollte sogar. Verbiete ich meinem Hund das Knurren, dann bleibt ihm schlussendlich nur noch eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Das Beißen. Unzählige Hunde sitzen als vermeintliche „Beißer“ im Tierheim, häufig mit den Bemerkungen „aus dem Nichts hat der Hund zugebissen“. Aus meiner Erfahrung heraus glaube ich nicht daran, dass alle diese Hunde aus dem Nichts gebissen haben. Vielmehr wurde ihnen vorher nicht richtig zugehört oder die artgerechte Kommunikation – das Knurren – wurde ihnen verboten.

Etwas völlig anderes ist es jedoch, wenn der Hund uns zum Beispiel in der Wohnung stellt oder nicht mehr auf die Couch lässt. Auch dann wird er uns anknurren und uns mitteilen, dass er unser Verhalten nicht wünscht. Hier wäre die Beziehung zwischen Hund und Halter in Frage zu stellen. Ist dies bei Ihnen der Fall und sind sie überfordert mit der Situation, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe zur Unterstützung zu Rate zu ziehen.

Was sollte ich daraus lernen?

Wir sollten unsere Hunde besser beobachten und besser verstehen. Anfangs ist es ein sehr aktiver Prozess. Ich beobachte meinen Hund und stelle fest, welche Signale er sendet. Über die Schnauze lecken, Gähnen, Wegdrehen, Pfote heben, Hecheln, Schnauben, sich auf den Rücken drehen, Knurren, Bellen, Augenbewegungen, Pfote auflegen. Wenn ich dann noch lerne die Signale richtig zu deuten, dann steht einer wunderbaren Beziehung zu meinem Hund nichts mehr im Wege. Möchten Sie mehr über die Ausdrucksweise Ihres Hundes lernen? Dann besuchen Sie den Kommunikationsworkshop von CARE – Der Hundeschule in Bielefeld

 

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